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N-Wort

ist ein kolonial-rassistischer Begriff für Schwarze Menschen. Im Sprachgebrauch findet er sich noch als N.-Kuss, vor allem aber als Alltagsbeleidigung. In (Kinder-)Literatur kommt er beispielsweise als N-Sklave oder N-König vor, wie in (älteren) Auflagen von Astrid Lindgrens Büchern. Die Abkürzung N-Wort dient dazu, den rassistischen Begriff nicht zu reproduzieren. Der Begriff sollte nicht ausgesprochen oder ausgeschrieben werden, da er nie neutral gemeint war, sondern in Rassentheorien sowie der Versklavung Schwarzer Menschen verwurzelt ist und Schwarze entwürdigt. Auch in Zitaten sollte darauf verzichtet werden oder eine Triggerwarnung vorangestellt werden: »Wir zeigen ein Archiv-Stück, in dem rassistische Begriffe vorkommen. Sie können verletzend oder retraumatisierend sein«. Das N-Wort nicht auszuformulieren zeigt, dass die Bedürfnisse Betroffener im Publikum ernst genommen werden.

Weiterführende Begriffe:

n. d. Z. / nach der Zeitrechnung / Zeitwende bzw. v. d. Z. / vor der Zeitrechnung / Zeitwende

ist eine Formulierung, die der Jahreszählung mit Bezug auf die Geburt Jesu Christi dient, ohne den christlichen Bezug auszudrücken. Diese Bezeichnung ist nicht nur im Judentum gebräuchlich, sondern war zum Beispiel auch in der DDR üblich.

Weiterführende Begriffe:

Nationale Minderheit

beschreibt jene Gruppen der Bevölkerung, die in Deutschland durch Bund und Länder einen besonderen Schutz und eine spezifische Förderung erhalten. Neben den deutschen Sinti*zze und Rom*nja sind auch die Lausitzer Sorb*innen, die dänische Minderheit und die friesische Volksgruppe als nationale Minderheit anerkannt. Angehörige der nationalen Minderheiten sind deutsche Staatsangehörige, unterscheiden sich aber von der Mehrheitsbevölkerung durch eine eigene Sprache, Kultur, Geschichte und Identität, die sie bewahren. Im Gegensatz zu den anderen Gruppen leben die deutschen Sinti*zze und Rom*nja nicht in angestammten Siedlungsgebieten, sondern im ganzen Bundesgebiet.

Nationalsozialistischer Genozid

Sintizze und Rom*nja waren während des Nationalsozialismus Verfolgung und Völkermord ausgesetzt. Auf Romanes gibt es dafür die Begriffe Porajmos oder Samudaripen (deutsch »das große Töten«). Der Tag der Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Genozids an den Rom*nja ist der 2. August. Mindestens 500.000 europäische Sinti*zze und Rom*nja wurden durch Nationalsozialist*innen oder mit ihnen verbündeten Regierungen und Bewegungen systematisch ermordet, was erst 1982 von der Bundesrepublik offiziell als Völkermord anerkannt wurde. Dieser wurde in der Geschichtsschreibung nach wie vor noch nicht vollständig aufgearbeitet.

Weiterführende Begriffe:

Neo-Muslim*innen

beschreibt eine in Deutschland sozialisierte und selbstbewusste muslimische Generation, in die auch Konvertit*innen inbegriffen sind. Nach Eren Güvercin beziehen sich »Neo-Moslems« auf die fünf Säulen des Islam (Glaubensbekenntnis, Fasten, tägliches Gebet, Pilgerfahrt nach Mekka, Abgabe an Bedürftige und Arme) und sind gesellschaftlich, kulturell oder politisch engagiert. Neo-Muslim*innen ist mehr ein spielerischer Begriff als eine feste Kategorie.

Neo-Orthodoxie

ist hauptsächlich in Westeuropa, vor allem in England, Frankreich und Deutschland, als eine Strömung der Orthodoxie verbreitet. Sie wurde im 19. Jh. in Frankfurt am Main gegründet. Wie beim orthodoxen Judentum entspringen ihre Grundideen dem traditionellen Judentum, allerdings findet eine Öffnung zur westlichen Kultur statt, indem z.B. am öffentlichen Leben teilgenommen wird.

Neokolonialismus

bezeichnet fortwirkende oder neue Formen von Abhängigkeit und Ausbeutung nach dem Ende des formalen Kolonialismus. Demnach werden ehemals kolonisierte Gebiete heute mit neokolonialistischen Mitteln indirekt von ehemaligen Kolonialmächten beherrscht, u.a. durch finanzielle (z.B. durch Kredite), aber auch politische, technologische, militärische oder kulturelle Abhängigkeiten.

Weiterführende Begriffe:

Neonazi

Kurzform von Neo-Nationalsozialist*in. Neonazis beziehen sich geistig, politisch sowie in der Symbolik und den Aktionsformen auf den Nationalsozialismus. Die neonazistische Szene pflegt das NS-Erbe sowie Traditionen von SA- und SS-Verbänden. Neonazismus ist die radikalste und aggressivste Variante des heutigen Rechtsextremismus. Jeder Neonazi ist rechtsextrem, aber nicht jeder Rechtsextreme ist Neonazi. Viele Rechtsextreme beziehen sich nicht mehr auf den Nationalsozialismus und sind auch nicht mehr an den typischen Symbolen der 1990er Jahre zu erkennen (Glatze, Stiefel, Bomberjacke). Rassistische oder rechtsextreme Ideologien können in allen Spektren der Gesellschaft herrschen, z. B. bei selbsternannten Asylgegner*innen.

Neubürger*in

klingt nach soeben eingewanderten Menschen. Als Synonym für Eingebürgerte ist der Begriff eher verwirrend, da er keine Verwurzelung in Deutschland vermuten lässt.

Neue Deutsche

taucht immer häufiger auf und wird unterschiedlich verwendet: Manche gebrauchen den Begriff synonym für Menschen mit Migrationshintergrund. Als Selbstbezeichnung von Menschen aus eingewanderten Familien soll er den Anspruch auf Zugehörigkeit deutlich machen. Der Begriff kann aber auch für eine Haltung stehen statt für eine herkunftsbezogene Kategorisierung: Zu den Neuen Deutschen zählen dann alle Menschen (mit und ohne Migrationshintergrund), die positiv zur Pluralisierung der Gesellschaft stehen.

Neue Rechte

beschreibt lt. Verfassungsschutz Rechtsextreme, die sich seit den 70er Jahren gegen Ideen der Aufklärung und der Gleichheit der Menschen richten. Sie beabsichtigten eine Intellektualisierung des Rechtsextremismus, mit dem Ziel, das politische System in Deutschland grundlegend zu verändern. Wissenschaftlich betrachtet zählt die AfD mangels Intellektualität nicht dazu1, obwohl die Partei teils als parlamentarischer Arm der Neuen Rechten gesehen wird.

Niqab

ist ein Gesichtsschleier, der nur die Augen freilässt. Ein Niqab wird teils in Verbindung mit einem langen, meist schwarzen mantelähnlichen Umhang getragen (z.B. in Saudi-Arabien, Jemen, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar). In anderen arabischen Ländern heißt dieser Mantel oder Umhang Abaya, im Iran Tschador.

Weiterführende Begriffe: BurkaHijabKopftuchKopftuchträgerin

Nomad*innen

oder auch »Fahrendes Volk« beruhen wie alle Begriffe, die Sinti*zze und Rom*nja als permanent in Bewegung lebende Gruppen darstellen, auf jahrhundertealten Klischees und werden von vielen Gruppenangehörigen als verletzend empfunden. Historisch gesehen diente das Bild umherziehender Außenseiter*innen dazu, Diskriminierung und gesetzliche Restriktionen zu legitimieren. Migrationsbewegungen durch Sinti*zze und Rom*nja beruhten in der Vergangenheit oft weniger auf einem selbstgewählten Lebenswandel als auf ökonomischen Zwängen und politischer Verfolgung. Zudem gab es jahrhundertelang Niederlassungsverbote für sie. Aktuelle Studien belegen, dass über 90 Prozent der europäischen Rom*nja sesshaft sind. 1

Weiterführende Begriffe: Antiziganismus, Traveller, Zigeuner