ist eine Eigenbezeichnung, die viele afrodiasporische Menschen und Initiativen verwenden. Sie kommt aus dem englischsprachigen Rassismusdiskurs (»Black«). Auch hier geht es nicht um Hautfarbe, sondern um den Gegensatz zu weiß (vgl. BIPoC). Als politische Selbstbezeichnung wird Schwarz groß geschrieben – auch von immer mehr Medien. Seit Juli 2020 hat bspw. die New York Times die Großschreibung von »Black« in ihren redaktionellen Stilvorschriften festgelegt. Die spezifische Rassismuserfahrung, die Schwarze Menschen machen, wird als Anti-Schwarzer Rassismus bezeichnet.
Weiterführende Begriffe: BIPoC, weiß, Hautfarbe
wird als Synonym für afrikanische Länder südlich der Sahara genutzt. Darin schwingt eine koloniale Vorstellung von Nordafrika als dem hochentwickelten weißeren Teil des afrikanischen Kontinents mit (ehemals »Weißafrika«) und der vermeintlich unterentwickelten, von Schwarzen Menschen bewohnten Region. Präziser ist es, die Länder zu benennen, die gemeint sind, oder die Region als südliches Afrika zu bezeichnen.
Weiterführende Begriffe: Afrika, Kolonialismus, ||Anti-Schwarzer Rassismus
ist eine rassistische Fremdbezeichnung für Schwarze Menschen. Bezeichnungen wie »Afrikaner*in« sind geografisch ungenau. Es empfiehlt sich, konkrete Herkunftsländer zu benennen – sofern die Nationalität inhaltlich relevant ist. In Beiträgen über Südafrika kann von Schwarzen Südafrikaner*innen und weißen Südafrikaner*innen gesprochen werden.
Weiterführende Begriffe: Afrika, Kolonialismus, ||Anti-Schwarzer Rassismus
(altgriech. »Zerstreuen«). Diaspora benennt ursprünglich vertriebene jüdische Gruppen. Abgeleitet davon steht Schwarze Diaspora für Schwarze Menschen, die nicht in den Herkunftsregionen ihrer Vorfahren leben. Außerdem gibt es nationale Diaspora-Gruppen, zum Beispiel bezeichnen sich Menschen mit ghanaischer Migrationsbiografie in Deutschland als ghanaische Diaspora. Der Begriff wird von vielen Gruppen Ausgewanderter oder von Glaubensgemeinschaften verwendet; so gibt es die polnische Diaspora, die alevitische Diaspora etc.
Weiterführende Begriffe: Afrika, Kolonialismus, Afrodeutsche
ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit beispielsweise afrikanischen, karibischen oder afro-US-amerikanischen Vorfahren. Schwarz wird in diesem Zusammenhang immer groß geschrieben, um deutlich zu machen, dass damit keine Hautfarbe beschrieben wird. Schwarz ist vielmehr eine politische Selbstbezeichnung, die gemeinsame Erfahrungen sowie die gesellschaftspolitische Position und die Lebensrealität von Menschen beschreibt, die von Anti-Schwarzem Rassismus betroffen sind.
Weiterführende Begriffe:BIPoC, weiß, Hautfarbe, Afrodeutsche
beschreibt eine Schwarze Person mit vergleichsweise hellem Hautton. Light-skinned Schwarze Menschen sind im Gegensatz zu dark-skinned Personen strukturell weniger stark benachteiligt. Sie profitieren von Colorism, trotzdem erleben auch sie Rassismus.
Weiterführende Begriffe:Hautfarbe, Mixed, ||Anti-Schwarzer Rassismus
(lat. für Niederlassung, Ansiedelung) beschreibt, dass europäische Kolonialmächte seit dem 15. Jh. Territorien anderer Kontinente eingenommen und eine Kolonialherrschaft errichtet haben. Viele Regionen und ihre Bewohner*innen wurden in Besitz genommen, ausgebeutet und verdrängt. Die kolonialisierte Bevölkerung in Afrika, Asien oder den Amerikas wurde unterdrückt, versklavt oder getötet. Legitimiert wurde dies mit pseudo-wissenschaftlichen Rassentheorien und dem Glauben an die eigene kulturelle Überlegenheit. Eine einheitliche Definition von Kolonialismus ist ungenau, weil die Kolonialmächte unterschiedlich herrschten. Konkreter lassen sich beispielsweise der deutsche oder französische Kolonialismus fassen. Der Begriff Kolonialismus beschreibt außerdem historisch das Zeitalter des Kolonialismus, das mit Christoph Kolumbus 1492 begann und bis ins 20. Jh. reichte. Ab den 1950er Jahren setzte die sogenannte Dekolonialisierung ein, in der die kolonialisierten Nationen ihre Unabhängigkeit erkämpften. Kritiker*innen sprechen jedoch von einem bis heute wirksamen Neokolonialismus.
Weiterführende Begriffe:Afrika, Anti-Schwarzer Rassismus, Exotismus, Indigene, Maafa
ist seit dem 17. Jh. eine Fremdbezeichnung für Schwarze Menschen und wurde zunächst mit dem Bild einer Person verbunden, die weiße Menschen bedient und aus Marokko oder Mauretanien stammt. Später tauchte das M-Wort als Bezeichnung für Schwarze Menschen auch in der Rassenlehre auf. Der Begriff hält eine rassistisch-romantisierte koloniale Erinnerungskultur am Leben, mit der Fantasie des Schwarzen Dieners als Eigentum von weißen Menschen. Er existiert heute noch in Namen von Apotheken oder Gaststätten, als Bild in Stadtwappen, auf Lebensmitteln, in Straßennamen, als Karnevalsverkleidung, im christlichen Krippenspiel und bei Sternsingern (vgl. Blackfacing). Das M-Wort sollte, wie das N-Wort nicht ausgeschrieben oder ausgesprochen werden. Mögliche Beschreibungen sind Schwarzer Mensch in dienender Haltung, Darstellung eines Schwarzen Dieners, rassistisch überzeichnete Figur einer Schwarzen Person.
Weiterführende Begriffe: N-Wort, Kolonialismus, Anti-Schwarzer Rassismus
ist eine Selbstbezeichnung für Menschen, die weiße und Schwarze Eltern oder Großeltern haben. Der Begriff mixed beschreibt Personen, die von weißen Privilegien der Eltern oder eigenen light-skinned Privilegien profitieren können, beispielsweise der deutschen Staatsangehörigkeit. Es ist falsch, mixed mit Mischling zu übersetzen. Die Debatte um die Bezeichnung von Menschen mit weißen und Schwarzen Eltern ist in Deutschland allerdings noch im Gange.
Weiterführende Begriffe:Anti-Schwarzer Rassismus, Afrodeutsche, BIPoC
ist ein kolonial-rassistischer Begriff für Schwarze Menschen. Im Sprachgebrauch findet er sich noch als N.-Kuss, vor allem aber als Alltagsbeleidigung. In (Kinder-)Literatur kommt er beispielsweise als N-Sklave oder N-König vor, wie in (älteren) Auflagen von Astrid Lindgrens Büchern. Die Abkürzung N-Wort dient dazu, den rassistischen Begriff nicht zu reproduzieren. Der Begriff sollte nicht ausgesprochen oder ausgeschrieben werden, da er nie neutral gemeint war, sondern in Rassentheorien sowie der Versklavung Schwarzer Menschen verwurzelt ist und Schwarze entwürdigt. Auch in Zitaten sollte darauf verzichtet werden oder eine Triggerwarnung vorangestellt werden: »Wir zeigen ein Archiv-Stück, in dem rassistische Begriffe vorkommen. Sie können verletzend oder retraumatisierend sein«. Das N-Wort nicht auszuformulieren zeigt, dass die Bedürfnisse Betroffener im Publikum ernst genommen werden.
Weiterführende Begriffe:Kolonialismus, Anti-Schwarzer Rassismus, M-Wort
wird oft fälschlich mit Rasse übersetzt. Der Begriff race hat im englischsprachigen Raum, besonders durch die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung, einen Bedeutungswandel vollzogen. Er beinhaltet das Wissen, dass es zwar keine Menschenrassen gibt, aber sehr wohl Rassismus aufgrund einer Kategorisierung in vermeintliche »Rassen«. Im Deutschen verweist der Begriff hingegen auf angeblich biologische Unterschiede, z. B. zwischen weißen und Schwarzen Menschen. Je nach Zusammenhang könnte von (Menschen mit) Rassismuserfahrungen, von Schwarzer Diaspora oder vom Schwarzsein die Rede sein.
Weiterführende Begriffe: Kolonialismus, Anti-Schwarzer Rassismus
ist die Praxis, Menschen allein aufgrund von rassistischen oder anderen diskriminierenden Vorurteilen polizeilich zu kontrollieren. Obwohl Racial Profiling gesetzlich verboten ist, belegen wissenschaftliche Studien, dass weiterhin solche »anlass- und verdachtsunabhängigen Personenkontrollen« praktiziert werden. Häufig übt auch Sicherheitspersonal Racial Profiling aus, wenn Schwarzen Menschen oder BIPoC Zugänge verwehrt werden, wie zu Diskotheken.
Weiterführende Begriffe: ||Der türkischstämmige Tatverdächtige, Anti-Schwarzer Rassismus, Hautfarbe
ist die Hierarchisierung unterschiedlicher Typen von Afrohaaren. Haare, die eher dem weißen Schönheitsideal entsprechen, wie zum Beispiel größere Afrolocken, werden als »good hair« aufgewertet und gegenüber engen kleinen Locken (»bad hair«, »nappy hair«) bevorzugt. Schwarze Personen mit enger gelocktem Haar sind oft stärker von Anti-Schwarzem Rassismus betroffen. Meistens ist Texturism mit Colorism verbunden.
Weiterführende Begriffe: Featurism
Tokenism beschreibt die Praxis, eine*n Vertreter*in einer diskriminierten Gruppe zu benutzen, um nach außen Vielfalt vorzutäuschen oder diskriminierende Haltungen zu legitimieren. Muss also zum Beispiel auf der Firmenwebsite die einzige Schwarze Mitarbeiterin ganz vorn aufs Teamfoto oder werden Schwarze Schauspieler*innen in Filmen ausschließlich auf Nebenrollen reduziert, fungieren sie als Tokens. In ähnlichen Zusammenhängen ist Deutschland manchmal von »Quotenmigranten«, »-Schwarzen« oder »-frauen« die Rede.
Weiterführende Begriffe:BIPoC, Rassismus
(engl. White Passing) ist eine Person mit meistens sehr heller Haut (light-skinned) und/oder wenig gelockten Haaren, die Schwarze Eltern oder Großeltern hat, und als weiß, also ohne afrodiasporische Migrationsgeschichte wahrgenommen wird. In ähnlichen Fällen können auch People of Color als weiß gelesen werden. Historisch konnte es große Vorteile bringen, für weiß gehalten zu werden und auch heute noch sind damit Privilegien verbunden (weiße Privilegien). Aber auch Weißgelesene können beispielsweise aufgrund ihrer Schwarzen Familie Rassismus erleben. Teilweise bezeichnen sie sich deshalb ebenfalls als Schwarz, PoC oder nicht-weiß.
Weiterführende Begriffe:BIPoC, Weiße Privilegien, Race, Hautfarbe
(engl. »White Fragility«) beschreibt die Reaktion vieler weißer Menschen, wenn Rassismus, ihr Weißsein und die damit verbundenen weißen Privilegien zur Sprache kommen. Dass weiße Menschen in der Gesellschaft besonderen Schutz und Sicherheit genießen, führt laut der Soziologin Robin Di Angelo zu einer fehlenden Notwendigkeit und Fähigkeit, sich (selbst-)kritisch mit Rassismus auseinanderzusetzen. Das wiederum hat typische Abwehrmechanismen zur Folge, wie Wut, Angst oder Schuld und Scham, die sich in solchen Situationen äußern.
Weitere Begriffe: BIPoC, ||Schwarz, Weiße Privilegien, Race, Hautfarbe
Weiße Privilegien sind gesellschaftliche Vorteile, die damit einhergehen, weiß zu sein, allen voran das Privileg, nicht rassistisch diskriminiert zu werden.
Weiterführende Begriffe: BIPoC, ||Schwarz, Race, Hautfarbe
(engl. weiße*r Retter*in) wird eine weiße Person genannt, die nicht-weißen Menschen auf eigennützige Weise Hilfe leistet, um sich selbst aufzuwerten. Ein*e White Savior ist somit von einem*einer Ally zu unterscheiden. Die oft unbeabsichtigte, aber reale Folge ist eine Abwertung armer, nicht-weißer Menschen. Beispielhaft dafür sind Fotos oder Reiseberichte von Weißen und ihren Begegnungen mit Kindern in Armut. White Saviorism wird häufig bei internationalen Charity-Projekten kritisiert.
Weiterführende Begriffe: Afrika, ||Anti-Schwarzer Rassismus, BIPoC, Weiße Privilegien
bezeichnet die Verschränkung von unterschiedlichen Diskriminierungsformen. So erlebt eine Schwarze Frau beispielsweise andere Diskriminierungen als eine weiße Frau, da sich Anti-Schwarzer Rassismus und misogyner Sexismus zu einem eigenen Phänomen verbinden. Der Begriff wurde von der Juristin und Schwarzen Feministin Kimberlé Crenshaw geprägt. Synonym ist auch oft die Rede von Mehrfachdiskriminierung oder mehrdimensionaler Diskriminierung. Bekannte Diskriminierungsformen sind: Verschiedene Formen von Rassismus, Sexismus, Homosexuellenfeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Ableismus, Klassismus. Weniger bekannt sind: Ageismus, Saneismus, Lookismus.
Weiterführende Begriffe: Marginalisierung, Mehrfachdiskriminierung
Der Black History Month ist im Februar und besteht aus einer Reihe von Aktionen, Veröffentlichungen und Veranstaltungen, um Schwarze Geschichte zu würdigen und Schwarzes Leben zu feiern. Dabei geht es um Wissen, Gedenken und Empowerment. Ursprünglich Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA begonnen, wird der Black History Month seit den 1990er Jahren auch in Deutschland veranstaltet .
Weiterführende Begriffe: BIPoC, ||Schwarz
Name einer Stiftung und Slogan einer globalen Schwarzen Widerstandsbewegung, die für das Leben und Überleben von Schwarzen Menschen kämpft. Die Bewegung begann ursprünglich 2013 in den USA und setzt sich v. a. gegen rassistische (Polizei-)Gewalt an Schwarzen Menschen ein. In der breiten Öffentlichkeit Deutschlands ist Black Lives Matter im Jahr 2020 nach dem Mord an George Floyd und den darauffolgenden Massenprotesten angekommen.
Weiterführende Begriffe: BIPoC, ||Schwarz
Diversity bzw. Diversität bedeutet Vielfalt und beschreibt die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Merkmale hinsichtlich verschiedener Kategorien (wie z. B. Herkunft, Ethnizität, Sexualität, Behinderung etc.) haben. Auf diesen vielfältigen Merkmalen basieren strukturelle Ungleichheit und Diskriminierung. Diversitätsorientierte Arbeit erkennt die Vielfalt der Gesellschaft an und strebt danach, Diskriminierungen abzubauen und Chancengleichheit zu fördern. Diversitätsorientierung reagiert nicht nur auf die faktische Diversität unserer Gesellschaft, sondern gestaltet sie aktiv und nimmt ihr Potenzial wahr. Der Ansatz entstand in der US-amerikanischen Schwarzen Bürgerbewegung der 1960er Jahre.
Weiterführende Begriffe: Diversity Management, Intersektionalität, Marginalisierung
Identitätspolitik beschreibt ursprünglich die Selbstermächtigung marginalisierter Gruppen, die für ihre Interessen einstehen. Der Begriff wurde in den 1970er Jahren vom Combahee River Collective, einem Kollektiv von Schwarzen, lesbischen Frauen, geprägt. Sie sahen sich in Politik und Aktivismus weder von weißen Frauen noch von Schwarzen Männern vertreten und nutzten den Begriff, um die Selbstermächtigung Schwarzer, lesbischer Frauen zu beschreiben (s. a. Intersektionalität). Im Sinne progressiver Identitätspolitik soll sich Politik an den Bedürfnissen der marginalisierten, unterdrückten und prekär lebenden Mitglieder der Gesellschaft orientieren und damit Chancengleichheit für alle erreichen. Der Begriff ist in den letzten Jahren öffentlich viel diskutiert und rechtsradikal vereinnahmt worden. Progressiver Identitätspolitik wird vorgeworfen, sie ginge mit den Forderungen nach Gerechtigkeit zu weit und spalte die Gesellschaft.
Weiterführende Begriffe: Intersektionalität, Marginalisierung
ist Kiswahili und bedeutet »Katastrophe, große Tragödie, schreckliches Ereignis«. Maafa bezeichnet die jahrhundertelange Ausbeutung, Unterdrückung und Versklavung der Schwarzen Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent durch weiße Menschen sowie die Widerstandsfähigkeit Schwarzer Menschen. Als Begriff einer afrikanischen Sprache ist Maafa eine selbstbestimmtere Alternative zum Begriff “Afrikanischer Holocaust”.
Weiterführende Begriffe: Kolonialismus
ist ein Fachbegriff für die politische Bedeutung von Afrohaaren. Schwarze Menschen erfahren seit der Kolonialzeit aufgrund ihrer Afrohaare rassistische Diskriminierung – in Deutschland zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt. In den USA war das Tragen von Dreadlocks im Militär oder auf manchen Schulen verboten. Erst seit 2019 gibt es Gesetze gegen diese Verbote. Schwarze Menschen tragen ihre natürlichen Haare teilweise als politisches Statement und nehmen die damit einhergehende Diskriminierung in auf.
Weiterführende Begriffe: Texturism,Schwarze Menschen, ||Anti-Schwarzer Rassismus, Blackfishing, Kolonialismus
Geht es um Zugehörigkeit, Teilhabe und Rassismus, ist immer öfter von Weißen die Rede. Häufig herrscht das Missverständnis, es ginge dabei um eine Hautfarbe. Tatsächlich meint weiß eine gesellschaftspolitische Norm und Machtposition und wird deshalb in wissenschaftlichen Text oft klein und kursiv geschrieben. Der Begriff wird als Gegensatz zu BIPoC und Schwarzen Menschen verwendet. Dabei müssen sich z.B. weiße Deutsche nicht selbst als weiß oder privilegiert fühlen.
Weiterführende Begriffe: Autochthone Deutsche, ||Biodeutsche,||Herkunftsdeutsche, ||Standard-Deutsche, ||Rasse
sind als Synonyme für Rassismus und rassistische Tatmotive ungenau, da es selten um tatsächliche Fremde wie etwa Tourist*innen geht. Von der vermeintlichen »Ausländerfeindlichkeit« sind oft deutsche Staatsangehörige betroffen. Wer Angriffe auf BIPoC als »Fremdenfeindlichkeit« oder »Ausländerhass« bezeichnet, übernimmt die Sichtweise der rassistischen Täter*innen. Präziser ist es, die Straftaten und Motive als rassistisch, rassistisch motiviert, rechtsextrem, rechtsterroristisch oder neonazistisch zu bezeichnen (siehe Hassverbrechen, Hasskriminalität).
Weiterführende Begriffe: Ideologien der Ungleichwertigkeit, Extremismus, Rechtsextremismus, Neonazi Asylkritiker/Asylgegner, Antimuslimischer Rassismus, Islamfeindlichkeit, Islamophobie, Anti-Schwarzer Rassismus, Antislawischer Rassismus, Antisemitismus, Rasse, Rechtspopulist, Xenophobie
ist ein Gesichtsschleier, der nur die Augen freilässt. Ein Niqab wird teils in Verbindung mit einem langen, meist schwarzen mantelähnlichen Umhang getragen (z.B. in Saudi-Arabien, Jemen, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar). In anderen arabischen Ländern heißt dieser Mantel oder Umhang Abaya, im Iran Tschador.
Weiterführende Begriffe: Burka, Hijab, Kopftuch, Kopftuchträgerin
ist als Bezeichnung dem Tierreich entlehnt und beruht auf der Rassentheorie. Der rassistische Begriff sollte nicht auf Menschen übertragen werden. Ist die Information relevant, kann die Herkunft der Eltern konkret benannt werden. »Mischling« ist nicht gleichbedeutend mit mixed.
Weiterführende Begriffe: Bindestrich-Deutsche, Einwanderer und ihre Nachkommen, Schwarze, Wurzeln, griechische etc.
Viele Schutzsuchende sind auf Menschenschmuggler*innen angewiesen, wenn sie nach Europa gelangen wollen (andere Bezeichnungen sind Schlepper*innen oder Schleuser*innen). In der Debatte wird Menschenschmuggel oft fälschlicherweise mit Menschenhandel gleichgesetzt. Menschenhandel ist jedoch eine andere Straftat. Menschenhändler*innen verdienen nicht in erster Linie am Transport der Betroffenen, sondern an der anschließenden Ausbeutung.
Weiterführende Begriffe:Mixed,Hautfarbe, Weiß gelesen, Anti-Schwarzer-Rassismus
bezeichnet fortwirkende oder neue Formen von Abhängigkeit und Ausbeutung nach dem Ende des formalen Kolonialismus. Demnach werden ehemals kolonisierte Gebiete heute mit neokolonialistischen Mitteln indirekt von ehemaligen Kolonialmächten beherrscht, u.a. durch finanzielle (z.B. durch Kredite), aber auch politische, technologische, militärische oder kulturelle Abhängigkeiten.
Weiterführende Begriffe:Afrika, Exotismus, Indigene, ||Anti-Schwarzer Rassismus
wird als politische Selbstbezeichnung von vielen asiatisch wahrgenommenen Menschen verwendet. Der Begriff bezieht sich explizit nicht auf bestimmte Länder, Kulturen oder geografische Grenzen. Es ist ein Sammelbegriff, mit dem sich eine Vielzahl Asiatischer Deutscher gemeinsam positioniert und solidarisiert, um gegen Rassismus und für gesellschaftliche Teilhabe einzutreten. Der verstärkte Antiasiatische Rassismus in Zeiten der Corona-Pandemie zeigt dabei lediglich eine Facette existierender Rassismen gegen
Asiatische Deutsche Menschen auf. Als politische Selbstbezeichnung wird der Begriff Asiatische Deutsche und das Adjektiv Asiatisch-Deutsch großgeschrieben.
Weiterführende Begriffe: BIPoC, Schwarze Deutsche, Antimuslimischer Rassismus, Migranten, Deutschtürken, Russlanddeutsche, Neue Deutsche
ist eine koloniale Fremdbezeichnung, die Schwarze Menschen und People of Color als Abweichung von der weißen »Norm« betrachtet und eine vermeintliche Hautfarbe beschreibt. Als rassistische Bezeichnung wird sie von vielen deshalb ebenso abgelehnt, wie der Begriff Dunkelhäutige. Zudem meint »Farbige« im Deutschen nicht das Gleiche, wie mit den englischen Selbstbezeichnungen Black, Indigenous and People of Color (BIPoC) ausgesagt wird, und ist deshalb nicht synonym verwendbar.
Weiterführende Begriffe: Rassismus, Afrodeutsche, Asiatische Deutsche, Indigene, Latinx, || Schwarze
bezeichnet die strukturelle Diskriminierung von Menschen, die vermeintlich oder selbstgewählt zur sozial-konstruierten Gruppe der Slaw*innen gehören, z. B. Russlanddeutsche oder jüdische Kontingentflüchtlinge. Diese Diskriminierungsform kann sich auch pauschal gegen die Bevölkerung von Ländern wie Polen, Russland, Ukraine, Serbien, Bulgarien usw. richten oder gegen Menschen, denen die nationale oder ethnische Zugehörigkeit zu einem dieser Länder zugeschrieben wird. Im Nationalsozialismus diente der Antislawismus und die rassistische Zuordnung zu einer »slawischen Rasse« der Abwertung und Entmenschlichung sowie als Begründung für deutsche Kriegs- und Siedlungspolitik. Antislawischer Rassismus ging und geht auch deshalb häufig mit Antisemitismus, Antibolschewismus und Antikommunismus einher.
Weiterführende Begriffe: Nationalsozialistischer Genozid, ||Antiromaismus, ||Anti-Schwarzer Rassismus, Wir
ist nach Asien der zweitgrößte Kontinent der Erde und entspricht mit einer Fläche von 30,2 Mio qm 22% der gesamten Landfläche der Erde. Es leben dort 1,3 Mrd. Menschen in 55 Nationen mit tausenden Sprachen und Kulturen. Trotzdem wird der Erdteil oft einem Land gleichgesetzt (»Rita kommt aus Deutschland, Kofi aus Afrika.«). Korrekter ist es, die gemeinten Länder (z. B. Ghana, Sudan, Algerien) oder Regionen (z. B. Nordafrika, Westafrika, südliches Afrika) zu nennen.
Weiterführende Begriffe: Afrodeutsche, BIPOC, ||Schwarz, Schwarze Diaspora, Anti-Schwarzer Rassismus, Armuts- oder Wirtschaftsflüchtlinge, Dritte Welt
Oberbegriff für Haare Schwarzer Menschen. Ihre Struktur variiert von kleinen, spiralförmigen Locken (»kinky«, »coily«) bis zu größer geformten Locken (»curly«). Afrohaare werden in verschiedenen Frisuren getragen (z. B. als Flechtfrisur, Dreadlocks oder toupiert als Afro) und können ein politisches Statement sein, siehe Black Hair Politics.
Weiterführende Begriffe: Afrika, Afrodeutsche, Black Hair Politics, Dreadlocks, Featurism, Texturism
(engl. Cultural Appropriation) beschreibt die Kritik an weißen Menschen, die kulturelle Errungenschaften von rassistisch diskriminierten Gruppen kopieren oder sich zu eigen machen, ohne selbst dafür diskriminiert zu werden. So sind etwa Dreadlocks ein Symbol der antikolonialen Religion der Rastafari-Bewegung, wenn Weiße sie aber aus modischen Gründen tragen, gilt das als kulturelle Aneignung.
Weiterführende Begriffe: Afrohaare, ||Anti-Schwarzer Rassismus, Blackfishing, ||Rassismus
ist eine rassistische und koloniale Bühnenpraxis, bei der meist weiße Darsteller*innen Karikaturen Schwarzer Menschen spielen. Das Konzept geht zurück auf US-amerikanische »Minstrel Shows« des 18. und 19. Jh. Dabei wurden Sprache, Tanz und Musik Schwarzer Menschen von Weißen mit angemaltem Gesicht und übertrieben dicken roten Lippen karikiert. In Deutschland gibt es erst seit wenigen Jahren eine öffentliche Debatte über Fälle von Blackfacing. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) empfiehlt, dass Sternsinger beim Dreikönigssingen keine schwarze Schminke mehr benutzen sollten. In der Faschings- und Karnevalszeit ist Blackfacing jedoch nach wie vor üblich. Asiatische Menschen sehen sich durch Yellowfacing ähnlicher Diskriminierung ausgesetzt.
Weiterführende Begriffe: Schwarze Menschen, ||Anti-Schwarzer Rassismus, Blackfishing, Kolonialismus
ist, wenn nicht-Schwarze Menschen sich optisch verändern, um als Schwarze wahrgenommen zu werden. Manche Frauen schminken sich etwa dunkle Haut, überzeichnen Lippen und Nase oder tragen ihre Haare wie Schwarze Menschen. Blackfishing ist eine Zusammensetzung aus dem Begriff »catfishing«, der beschreibt, dass eine Person auf Social Media eine andere Identität vortäuscht, und Blackfacing.
Weiterführende Begriffe: kulturelle Aneignung, Schwarze Menschen, Blackfacing, Anti-Schwarzer Rassismus, Kolonialismus
BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) ist eine Selbstbezeichnung von und für Menschen mit Rassismuserfahrungen. People of Color (Singular Person of Color) steht für Menschen, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden und sich selbst nicht so definieren. Black benennt Schwarze Menschen mit Rassismuserfahrungen explizit und schließt sie mit ein. Indigenous beschreibt eine ebenfalls heterogene Gruppe von Menschen, die sich v. a. durch die Merkmale Selbstzuschreibung, Ortsgebundenheit und Traditionsverbundenheit sowie koloniale Gewalterfahrungen verbinden. Bei den Begriffen Schwarz, weiß und PoC geht es um die Benennung von Rassismus und den Machtverhältnissen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft, nicht um Hautfarben. Der Begriff BIPoC hat sich als Selbstbezeichnung im rassismuskritischen Diskurs inzwischen etabliert, wird jedoch auch kritisiert, weil darin sehr heterogene Gruppen ohne Differenzierung vermengt werden.
Weiterführende Begriffe: Schwarze Menschen, Indigene, Einwanderungsgesellschaft, weiß, Wir
beschreibt eine spezifische Diskriminierungsform, die Schwarze mit dunklem Hautton (dark-skinned) abwertet. Colorism folgt einer kolonialen Farbhierarchie von dunkel nach hell, also von dark-skinned über light-skinned bis weißgelesen. Dark-skinned Schwarze sind stärker von Rassismus betroffen und medial weit weniger sichtbar. Colorism gibt es ebenso bei Menschen mit dunkleren oder helleren Hauttönen in Südasien oder in arabischen Ländern.
Weiterführende Begriffe:Kolonialismus, ||Anti-Schwarzer Rassismus, Schwarze Menschen
beschreibt eine Schwarze Person mit dunklem Hautton. Der englische Begriff ist nicht gleichbedeutend mit der deutschen Übersetzung dunkelhäutig (siehe dazu farbig). Dark-skinned Schwarze Menschen sind laut Studien häufiger betroffen von rassistischer Gewalt und strukturellem Rassismus als light-skinned Personen.
Weiterführende Begriffe: Colorism, Schwarze Menschen, Kolonialismus, ||Anti-Schwarzer Rassismus, hautfarbe
auch kurz Locks genannt, ist eine Frisur, bei der Haarsträhnen gedreht und so bearbeitet werden, dass sie dauerhaft verfilzen. Gefilzte Haare waren in verschiedenen Kulturen weltweit üblich, werden heute aber vor allem mit Rastafaris in Verbindung gebracht. Sie tragen Dreadlocks aus religiösen Gründen und um sich bewusst gegen koloniale Schönheitsnormen abzugrenzen. Die Abkürzung »Dreads« ist problematisch, weil der Begriff (engl. dread) übersetzt »Furcht« bedeutet und der Verunglimpfung der Rastafari-Bewegung diente. Heute noch werden Schwarze Menschen mit Locks diskriminiert. Dreadlocks weißer Menschen werden als kulturelle Aneignung kritisiert.
Weiterführende Begriffe: Black Hair Politics, Schwarze Menschen, kulturelle Aneignung, weiße Privilegien
ist eine deutsche Fremdbeschreibung für Schwarze Menschen und PoC, die von den so Bezeichneten häufig abgelehnt wird (vgl. farbig). Der Begriff ist nicht gleichbedeutend mit der englischen Selbstbezeichnung dark-skinned.
Weiterführende Begriffe: light-skinned, Hautfarbe, Anti-Schwarzer Rassismus
Wenn Schwarze Menschen und BIPoC oder andere Menschen, die nicht der weißen »Norm« entsprechen, wegen ihrer »Andersartigkeit« zur Schau gestellt oder beäugt werden, ist das Exotismus. So fanden zwischen 1870 und 1940 »Völkerschauen« in deutschen Zoos statt. Exotismus beruht auf einer rassistischen Sichtweise auf das »Fremde« aus einer eurozentrischen weißen Position. Dabei schwingt oft der Wunsch des Besitzenwollens oder ein sexuelles Begehren mit.
Weiterführende Begriffe: Kolonialismus, Indigene, Anti-Schwarzer Rassismus, Antimuslimischer Rassismus
zeigt sich, wenn optische Merkmale, wie zum Beispiel eine breitere Nasenform, abgewertet werden, weil sie nicht einer weißen »Norm« entsprechen. Ähnlich wie bei Texturism wirken in Featurism die kolonialen Schönheitsideale nach und sorgen auch in Schwarzen Communitys für Ausgrenzung.
Weiterführende Begriffe: Colorism, Schwarze Menschen, Afrodeutsche, Afrohaare
unterscheidet sich je nach Melaningehalt. In Farben von Buntstiften oder Feinstrumpfhosen findet sich in der Regel jedoch nur die Hautfarbe weißer Menschen wieder. Eine Beschreibung von Hautfarben ist inhaltlich selten nötig, vor allem sollte auf die Verbindung mit Lebensmitteln oder Gegenständen verzichtet werden (»kohlrabenschwarz«, »schokobraun«). Geht es im Bericht um Rassismus oder Colorism, kann benannt werden, dass Betroffene Schwarz sind. In keinem Fall wird eine Person zum Beispiel »wegen ihrer*seiner Hautfarbe« angegriffen oder »weil sie*er Schwarz ist«, sondern ein Angriff geschieht aus rassistischen Gründen und die betroffene Person ist Schwarz. Bei rassistischen Erfahrungen spielen Featurism oder Texturism ebenfalls eine Rolle. Gleichzeitig können light-skinned Personen oder Weißgelesene auch Rassismus erleben.
Weiterführende Begriffe: BIPOC, Weiß gelesen
ist eine Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen in Deutschland, die sich Ende der 80er-Jahre entwickelt hat. Afrodeutsche haben nicht zwingend eine afrikanische Einwanderungsgeschichte. Unabhängig vom Geburtstort der Eltern oder Großeltern sind die Teil der Schwarzen Diaspora. Um deutlich zu machen, dass Afrika kein Land, sondern ein Kontinent ist, bezeichnen sich manche auch als Afroeuropäer*in.
Weiterführende Begriffe: Rasse, Schwarze, Weiße Deutsche