|| Aleviten

sind eine eigenständige Religionsgemeinschaft, die ihren Glauben als Yol (mystischer Weg) bezeichnet. Das Alevitentum hat sich aus vorislamischen, schiitischen und mystischen Elementen in Anatolien entwickelt, so dass unterschiedliche Verständnisse darüber existieren. Zahlreiche ||türkeistämmige Einwanderer sind bspw. Aleviten, darunter auch viele Kurden.

Weiterführende Begriffe: || Kulturmuslime, || Muslime, || Schiiten, || Türkischstämmige

Thema:

|| Antimuslimischer Rassismus

bezeichnet die Diskriminierung von Menschen, die aufgrund ihrer tatsächlichen oder auch bloß zugeschriebenen Religionszugehörigkeit als Muslime wahrgenommen werden. Im Vergleich zu den Begriffen ||Islamophobie oder ||Islamfeindlichkeit verweist die Bezeichnung antimuslimischer Rassismus auf die Vorstellung von ||Muslimen als homogener Gruppe, der bestimmte (zumeist negative) Eigenschaften zugewiesen werden und die als nicht zugehörig eingeordnet wird.

Weiterführende Begriffe: || Ausländerhass, Fremdenfeindlichkeit, || Islamkritik

Thema:

|| Boko Haram

ist eine radikal-islamistische Terrormiliz, die 2009 im Nordosten Nigerias gegründet wurde. Offiziell trägt die Terrorgruppe seit 2009 den Namen »Jama’atu Ahlis Sunna Lidda’awati wal-Jihad«, der im Deutschen »Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und für den Dschihad« bedeutet. Sie wird im Allgemeinen jedoch weiterhin Boko Haram genannt, was meist übersetzt wird mit »Westliche Bildung ist verboten«. Entstanden ist sie aus der gleichnamigen sektenähnlichen Gruppierung, die seit 2002 im Nordosten Nigerias offen als eine fundamentalistisch islamistische Gemeinschaft operierte. Ziel von Boko Haram ist ein islamischer Gottesstaat nach dem »Recht« der ||Scharia zu errichten; 2014 rief die Miliz in den von ihr beherrschten Gebieten im Norden Nigerias ein islamisches Kalifat aus, ähnlich wie ||IS kurz zuvor im Nordirak.

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|| Burka

verhüllt den ganzen Körper, den Kopf und das Gesicht, die Augen sind von einem Stoffgitter verdeckt; vor allem typisch in Afghanistan und teils in Pakistan. Burka wird oft falsch verwendet, wenn eigentlich ein Gesichtsschleier gemeint ist, der die Augen freilässt, also ein ||Niqab.

Weiterführende Begriffe: || Hijab, || Kopftuch, || Kopftuchträgerin, || Scharia, ||Tschador

Thema:

|| Dschihad

wird meist mit »Heiliger Krieg« assoziiert, bedeutet zunächst Anstrengung, Mühe und kann sich auch auf einen inneren Auftrag beziehen, z.B. beim Kampf gegen »das Böse« im Herzen (großer Dschihad). Der kleine oder äußere Dschihad hingegen besteht in jeder Form der zulässigen Verteidigung von ||Muslimen .

Thema:

|| Dschihadismus, Dschihadist

wird in der Regel im Zusammenhang mit militanten, gewaltbereiten ||Islamisten verwendet, deren Ideologie zufolge der ||Dschihad den bewaffneten Kampf meint, der jedem Muslim vorgeschrieben sei, solange muslimische Gebiete unter Besetzung sind oder »Ungläubige« gegen Muslime kämpfen.

Weiterführende Begriffe: || Dschihad, || Pop-Dschihadismus, || Radikaler Islam

Thema:

|| Euro-Muslime

geht auf den Begriff des Euro-Islam zurück, den der Islamwissenschaftler Bassam Tibi 1991 in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht hat. Der Begriff beschreibt eine bestimmte säkularisierte Form des Islam, die sich dadurch herausbilden soll, dass in Europa lebende Muslim*innen Pflichten und Prinzipien des Islam mit Werten der modernen europäischen Kultur kombinieren. Mittlerweile gibt es aber auch konservativere Auslegungen eines Euro-Islam, weshalb der Begriff wissenschaftlich umstritten ist. In der Berichterstattung kommt Euro-Muslim vor allem als Selbstbezeichnung vor.

Weiterführende Begriffe: || Kulturmuslime, || Muslime, || Neo-Muslime, || Pop-Muslime, || Säkulare Muslime

Thema:

|| Fundamentalist

stammt aus der Geschichte der christlichen Kirchen und bezeichnete Angehörige einer Strömung im Protestantismus der USA Anfang des 20. Jhd.s. Inzwischen wird der Begriff auch im politischen Kontext benutzt. Die Frage, ob der Begriff auf bestimmte Strömungen und Haltungen im Islam anwendbar ist, ist umstritten. Alternativ kann man auf Formulierungen zurückgreifen wie rückwärtsgewandte oder konservative Muslime, traditionell gläubige Muslime oder altherkömmlich gläubige Muslime. Handelt es sich bei den zu Bezeichnenden um militante Fundamentalist*innen (allen Glaubens), kann man von Terroristen sprechen.

Weiterführende Begriffe: || Islamismus, || Pop-Dschihadismus, || Radikale Muslime, || Salafisten, || Scharia

Thema:

|| Hadith/pl. Ahadith

(arab. Bericht, Erzählung) In den Ahadith wurde das Reden, Handeln oder billigende Schweigen des Propheten festgehalten. Die Gesamtheit der Ahadith bildet die Sunna; neben dem ||Koran ist sie die zweite Hauptquelle für islamische Theologie und islamisches Recht, sowie Ethik und Glaubenspraxis.

Thema:

|| Halal und Haram

sind aus dem Arabischen stammende Begriffe aus dem Koran, wobei Halal »erlaubte« Verhaltensweisen bezeichnet, während Haram »Unerlaubtes« festlegt. Bei Lebensmitteln sind bspw. Schweinefleisch und Alkohol haram, wobei viele Muslim*innen mit den Nahrungsmittelgeboten eher individuell umgehen. Auch für die Herstellung der Lebensmittel gibt es Regeln, weshalb viele Hersteller mittlerweile mit Halal-Zertifikaten werben.

Weiterführende Begriffe: || Euro-Muslime, ||Koscher, || Scharia

Thema:

|| Hijab/Hidschab

bedeutet Verhüllung und wird in Deutschland oft wie ||Kopftuch verwendet. Gemeint ist ein Tuch, das den Kopf, meist auch den Hals und teils die Schultern bedeckt, das Gesicht aber freilässt. Inspiriert durch Traditionen oder Modevorstellungen gibt es viele verschiedene Trageweisen des Hijab, meist liegt das Tuch relativ eng an.

Weiterführende Begriffe: || Burka, || Kopftuchträgerin, || Niqab, || Tschador

Thema:

|| Imam

ist das arabische Wort für den, der vorne steht/vorsteht. In deutschen Medien ist damit meist die religiöse Führung islamischer Gemeinden oder ein Vorbeter gemeint, obwohl die Vorbeter in türkischen Gemeinden i.d.R. Hoca heißen. Zu den Aufgaben von Imamen in Deutschland gehören neben dem Vorbeten und Predigen die religiöse Unterweisung für Kinder und Erwachsene, die Seelsorge und der interreligiöse Dialog. Andere Begriffe für dieses Amt sind Scheikh und Murshid. Frauen können z.B. als weibliche Hoca, Murshida, Weize oder Sheika einer islamischen Gemeinde vorstehen oder Funktionen religiöser Autoritäten ausüben (Koraninterpretation, Erstellung von Rechtsgutachten); Imaminnen beten meistens nur weiblichen Gläubigen vor.

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|| Islamfeindlichkeit

bezeichnet eine generell ablehnende Haltung gegenüber dem Islam und seinen Glaubensrichtungen, sowie gegenüber Menschen muslimischen Glaubens und ihren religiösen Praktiken. Islamfeindlichkeit kann in der Praxis auch mit ||Islamophobie einhergehen. Experten empfehlen, anstatt Islamfeindlichkeit den Begriff antimuslimischer Rassismus zu verwenden, weil er verdeutlicht, dass es bei dieser Art der Ablehnung weniger um Religionsfragen geht, sondern vielmehr um Ausgrenzung.

Weiterführende Begriffe: || Islamkritik, || Kopftuch, || Ideologien der Ungleichwertigkeit

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|| Islamisch

bezieht sich als Adjektiv nicht auf Menschen, sondern nur auf Objekte mit Islambezug und auf den Glauben selbst, z.B. islamische Theologie (nicht ||muslimische), islamischer Feiertag, islamischer Verein oder islamische Länder.

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|| Islamische Beschneidung

von Jungen (arab. Khitan) wird von vielen Muslim*innen als religiöse Pflicht angesehen und ist weitgehend etablierte Praxis. Sie wird im Laufe der Kindheit vor Erlangen der Pubertät durchgeführt. Mit der Beschneidung werden Jungen rituell in der islamischen Gemeinschaft sozialisiert. In Deutschland ist die Beschneidung seit 2012 gesetzlich geregelt; laut §1631d des BGB ist sie erlaubt, wenn sie »nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt« wird.

Siehe auch ||Beschneidung im Kapitel »Jüdinnen und Juden«.

Thema:

|| Islamischer Staat (IS)

ist die derzeit gängige Bezeichnung für eine seit 2003 aktive dschihadistisch-salafistische Terrororganisation. Zuvor nannte sie sich ISI (Islamischer Staat im Irak), änderte ihren Namen 2013 in »al-Dawlah al-Islamiyah fi al-Iraq wa al-Sham« (arabisch: Islamischer Staat im Irak und der Levante), dessen Abkürzung ISIL von der US-amerikanischen und der britischen Regierung verwendet wird . Die im Deutschen auch gebräuchliche Bezeichnung ISIS (Islamischer Staat in Irak und Syrien bzw. Großsyrien) vernachlässigt, dass der Machtanspruch der Gruppe über die beiden Länder hinaus reicht. 2014 änderte die terroristische Organisation sich namentlich erneut um in IS (Islamischer Staat), um Staatsgrenzen für bedeutungslos zu erklären. Manche Politiker*innen benutzen offiziell die Bezeichnung Daesh (Frankreich) oder DEAS/DAES (Türkei), die sich aus den arabischen Initialen der Gruppe zusammensetzten. Die Terrorist*innen selbst lehnen diese Namen ab, weil sie im Arabischen negative Bedeutungen haben.

Weiterführende Begriffe: || Boko Haram, || Dschihad, || Pop-Dschihadismus, || Radikaler Islam / radikale Muslime

Thema:

|| Islamisierung

bezeichnet im historischen Sinn (analog zum Begriff Christianisierung) die territoriale Ausbreitung von islamischen Religionsgemeinschaften ab dem Jahr 632 (nach dem Tod des Propheten Mohammed) bis ins 10. Jahrhundert. Re-Islamisierung ist der Fachbegriff für die wachsende Bedeutung islamischer Religionen in der heutigen Zeit. Als politisches Schlagwort verwendet wird »Islamisierung« mit einer Art von Radikalisierung assoziiert. Dabei wird ||Muslimen häufig unterstellt, den Islam generell ||fundamentalistisch auszulegen oder ||extremistisch zu agieren. Nicht nur in rechtspopulistischen Kreisen ist der Begriff verbreitet, um vor einer ||Überfremdung durch den Islam und seinen (mutmaßlichen) Anhängern zu warnen.

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|| Islamismus, Islamist, politischer Islam

Islam und Islamismus sind nicht dasselbe. Islamismus meint zunächst die Verknüpfung von Islam und Politik, also den sogenannten politischen Islam. Islamismus ist daher nicht gleichzusetzen mit Extremismus, Gewaltbereitschaft oder Terrorismus. Islamist zu sein bedeutet islamistischer Gesinnung zu sein – das allein ist nicht verboten, sondern nur in Verbindung mit strafbaren Handlungen nicht erlaubt.

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|| Islamkritik

beschreibt die theologische, ethische oder politische Kritik am Islam und kann eine Form der Religionskritik sein. In öffentlichen Debatten werden jedoch oft auch antimuslimische oder islamophobe Äußerungen als Islamkritik bezeichnet, die weniger auf Fakten als auf Ressentiments beruhen und sich pauschal gegen ||Muslime richten.

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|| Islamophobie

entspricht nicht der wörtlichen Übersetzung »Islam-Angst«, sondern ist der wissenschaftliche Begriff für die generelle Ablehnung des Islam und von tatsächlichen oder mutmaßlichen ||Muslimen. Daneben beschreibt Islamophobie auch die stereotypisierende Darstellung von Muslim*innen (u. a. auf islamfeindlichen Blogs) sowie diskriminierendes Verhalten gegenüber muslimischen Menschen bzw. solchen, die für Muslim*innen gehalten werden.

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|| Kopftuch

kann im Gegensatz zum eher eng anliegenden ||Hijab auch ein locker um den Kopf geschlungenes Tuch sein. Je nach Auslegung des Korans, politischer Lage und persönlicher Einstellung ist es Musliminnen freigestellt, sich zu verhüllen, oder es gibt eine Pflicht, die Haare zu verdecken. Laut einer Umfrage unter Musliminnen in Deutschland trägt von den stark Gläubigen unter ihnen jede Zweite nie ein Kopftuch. In Ländern wie Iran, Saudi Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sind Frauen gesetztlich verpflichtet, sich zu bedecken, wenn sie von nicht verwandten Männern gesehen werden könnten.

Weiterführende Begriffe: || Burka, || Kopftuchträgerin, || Niqab, || Säkulare Muslime, || Tschador

Thema:

|| Kopftuchträgerin

wird oft synonym für praktizierende Musliminnen verwendet. Grundsätzlich ist die Reduzierung einer Person auf ein äußeres Merkmal problematisch, vor allem bei den mitunter abfällig gemeinten Begriffen »Kopftuchfrau« oder »Kopftuchmädchen«. Was sagt diese Zuschreibung über die vielfältigen Gründe, Weltanschauungen, Auslegungen und Glaubenspraktiken aus, die dahinter stecken können?

Weiterführende Begriffe: || Kopftuch, || Säkulare Muslime, || Burka, || Hijab/Hidschab, || Kopftuch, || Niqab, || Tschador

Thema:

|| Koran/Qur’an

(arab. Lesung, Rezitation) ist die heilige Schrift des Islams. Er ist in Reimprosa abgefasst und enthält gemäß dem Glauben von ||Muslimen die wörtliche Offenbarung Gottes, die an den Propheten Mohammed durch den Engel Gabriel herabgesandt wurde. Der Koran ist die wichtigste Quelle für islamische Theologie und islamisches Recht, sowie Ethik und Glaubenspraxis. Dennoch umfasst er nicht alle Belange und Fragestellungen von Muslim*innen. Eine weitere bedeutende Quelle ist die Sunna (überlieferte Norm) des Propheten, in der mündlich überlieferte Aussprüche und Taten Mohammeds in den ||Hadith/pl. Ahadith festgehalten wurden.

Thema:

|| Kulturmuslime

beschreibt Muslim*innen, die den Islam zwar nicht praktizieren, sich aber muslimischen Kulturkreisen zugehörig fühlen. Der Begriff taucht in der Berichterstattung meist als Selbstbezeichnung auf.

Weiterführende Begriffe: ||Pop-Muslime, ||Neo-Muslime, || Euro-Muslime, || Liberale Muslime, || Säkulare Muslime

Thema:

|| Liberale Muslime

wurde 2010 durch die Gründung des Liberal-Islamischen Bunds (LIB) als Begriff etabliert und bezeichnet eine Gruppe von ||Muslimen, die zeitgemäße Zugänge zum ||Koran proklamieren und eine pluralistisch-freiheitliche Auffassung des Islam vertreten. Der LIB grenzt sich bewusst von den ||Säkularmuslimen und den islamischen Veränden (wie Ditib, Zentralrat der Muslime usw.) ab.

Weiterführende Begriffe: || Kulturmuslime, || Muslime, || Neo-Muslime, || Euro-Muslime, || Pop-Muslime

Thema:

|| Mohammedaner

ist ein veralteter Begriff und als Synonym für ||Muslime unpassend, weil Muslime Mohammed nicht als Gott verehren. In der Regel findet der Begriff Verwendung auf einschlägig islamfeindlichen Blogs und ist abfällig gemeint.

Weiterführende Begriffe: || Antimuslimischer Rassismus, || Islamfeindlichkeit, || Islamkritik, || Islamophobie

Thema:

|| Moslem, Moslemin

ist eine etwas altmodisch klingende und daher seltener gebräuchliche Bezeichnung für ||Muslim bzw. Muslimin.

Thema:

|| Muslime

bezeichnet Angehörige der islamischen Religionsgemeinschaft. Grundsätzlich gilt es zu hinterfragen, ob die Zuschreibung einer Religion relevant und zutreffend ist. Beispiel: Warum wurde die Religionszugehörigkeit bei der »ersten muslimischen CDU-Bundestagsabgeordneten« 2013 so stark thematisiert? Häufig wird Muslim*innen auch als Synonym für ||Einwanderer und ihre Nachkommen verwendet, was sachlich falsch ist: Nur ein Fünftel aller ||Menschen aus Einwandererfamilien in Deutschland sind Muslim*innen und es gibt deutsche Muslim*innen ohne Migrationshintergrund.

Thema:

|| Muslimisch

wird als als Adjektiv in Bezug auf Menschen verwendet z.B. muslimische Frau, muslimischer Schüler oder muslimische Bevölkerung, nicht aber muslimische Religion, sondern islamische. Ebenso richtig ist islamische Organisation, nicht aber muslimische Organisation, nicht muslimische Länder.

Weiterführende Begriffe: || Islamisch

Thema:

|| Mutmaßlicher Islamist

taucht in Medienberichten häufig auf und ist irreführend: ||Islamist zu sein, ist nicht verboten, d. h. die Gesinnung ist nicht strafbar. Ungesetzlich sind dagegen islamistisch motivierte Gewalt und Propaganda für verbotene Organisationen wie dem ||IS. Meist sind also nicht mutmaßliche Islamist*innen gemeint, sondern Terrorverdächtige. Zutreffend könnte zum Beispiel sein: »Die Polizei nahm einen Terrorverdächtigen fest. Die Behörden vermuten, er habe aus islamistischen/religiös begründeten Motiven gehandelt.«

Thema:

|| Neo-Muslime

beschreibt eine in Deutschland sozialisierte und selbstbewusste muslimische Generation, in die auch Konvertit*innen inbegriffen sind. Nach Eren Güvercin beziehen sich »Neo-Moslems« auf die fünf Säulen des Islam (Glaubensbekenntnis, Fasten, tägliches Gebet, Pilgerfahrt nach Mekka, Abgabe an Bedürftige und Arme) und sind gesellschaftlich, kulturell oder politisch engagiert. Neo-Muslime ist mehr ein spielerischer Begriff, als eine feste Kategorie.

Weiterführende Begriffe: || Euro-Muslime, || Kulturmuslime, || Pop-Muslime, || Muslime, || Säkulare Muslime, || Liberale Muslime

Thema:

|| Niqab

ist ein Gesichtsschleier, der nur die Augen freilässt. Ein Niqab wird teils in Verbindung mit einem langen, meist schwarzen mantelähnlichen Umhang getragen (z.B. in Saudi-Arabien, Jemen, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar). In arabischen Ländern heißt dieser Mantel oder Umhang Abaya, im Iran ||Tschador.

Weiterführende Begriffe: || Burka, || Hijab, || Kopftuch, || Kopftuchträgerin

Thema:

|| Pop-Dschihadismus

bezeichnet eine radikale Jugendsubkultur des ||Dschihadismus in Einwanderungsländern wie Deutschland. Charakteristisch sind moderne Elemente der Popkultur, die für eine eher weltliche und politische Propaganda genutzt werden, im Unterschied zu den stärker theologisch fundierten Argumentationsmustern etwa im politischen ||Salafismus. Instrumente dieser Propaganda sind neue Medien, Filmclips im Stil von Musikvideos oder T-Shirts mit entsprechenden Insignien. Männliche Vorbilder vermitteln orientierungslosen Jugendlichen einen neuen Lebenssinn, in dem Gruppenzugehörigkeit, ähnlich wie bei ||Neonazi-Kameradschaften, wichtig ist. Religiöse Inhalte dienen im Pop-Dschihadismus nur als Begründungsmuster, vor allem haben das Paradies-Versprechen und ein vermeintlich sündenloses Leben große Bedeutung. Anhänger des Pop-Dschihadismus sind Jugendliche aller Schichten und Nationalitäten. Sie werden teils schnell militant und zu Kämpfern des ||IS.

Weiterführende Begriffe: || Pop-Muslime, || radikale Muslime

Thema:

|| Pop-Muslime

bezeichnet meist junge Muslim*innen, die konservative Religiosität mit modernem Lebensstil zusammenbringen und ihre Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft betonen. Der Begriff geht zurück auf das Buch »Zwischen Pop und Dschihad« von Julia Gerlach (2006). Mitunter werden Pop-Muslime als Akteur*innen einer jungen Protestkultur gesehen, deren Religiosität zwar zentral ist, aber vor allem als Mittel zur Provokation und Abgrenzung gilt. Daher wird Pop-Muslimen teils eine Nähe zur militant-islamistischen Szene nachgesagt. Der Begriff sollte entsprechend vorsichtig verwendet werden.

Weiterführende Begriffe: || Euro-Muslime, ||Kulturmuslime, ||Neo-Muslime, ||Pop-Dschihadismus, || Säkulare Muslime

Thema:

|| Radikaler Islam / radikale Muslime

sind problematische Zuschreibungen, weil sie pauschalisieren, so wie »radikales Christentum« oder »radikales Judentum«. Gerade im Zusammenhang mit Sicherheits- und Terrorismusdebatten werden die Begriffe oft verwendet. Passender könnte sein: religiös begründeter oder motivierter Extremismus.

Weiterführende Begriffe: || Extremismus, || Dschihad, || Dschihadismus, Dschihadist, || Fundamentalist, || Pop-Dschihadismus, || Salafismus

Thema:

|| Säkulare Muslime

beschreibt Muslim*innen, die für eine Trennung von Staat und Religion sind, und ist ein differenzierender Zusatz wie z.B. praktizierende Muslimin. Präzise Beschreibungen sind oft interessant: So kann eine praktizierende Muslimin auch ohne ||Kopftuch auskommen oder eine Frau, die ein Kopftuch trägt, durchaus säkular sein. Im Diskurs der Deutschen Islamkonferenz (DIK) gelten nicht-organisierte muslimische Teilnehmer*innen als säkulare Muslim*innen, was allerdings suggeriert, dass in Verbänden organisierte Muslim*innen automatisch nicht säkular seien.

Weiterführende Begriffe: || Euro-Muslime, || Kulturmuslime, || Liberale Muslime, || Neo-Muslime, || Pop-Muslime

Thema:

|| Salafismus, Salafisten

wird in Deutschland vor allem vom Verfassungsschutz verwendet. Die so benannten Gläubigen sind eine sehr kleine Minderheit unter den sunnitischen Muslimen und bezeichnen sich selbst zum Teil mit dem auch in der Islamwissenschaft verwendeten Terminus Salafiten, mittlerweile ist das arabische Salafis gängiger. Die Strömung bezieht sich auf die »Altvorderen« (Salaf) und eine dogmatische Interpretation des ||Koran, die sie als den »wahren« Islam propagiert. Salafiten oder Salafis sind jedoch keine homogene Gruppe und nicht grundsätzlich gewaltbereit oder terroristisch, sondern oft unpolitisch. Expert*innen schlagen vor, nur die gewaltbereite Gruppe untern Ihnen als Salafisten zu bezeichnen, in Abgrenzung zu unpolitischen Salafiten oder Salafis. Militante Salafisten sind dementsprechend gewaltbereite ||Islamisten.

Thema:

|| Scharia

ist keine Gesetzessammlung aus dem ||Koran, sondern ein Regelwerk, das auf Interpretationen des Koran basiert. Neben radikalen Scharia-Forderungen gibt es auch verfassungskonforme, alternative Scharia-Konzepte, die Muslim*innen im Alltag als Richtlinie religiösen Lebens dienen können.

Weiterführende Begriffe: || Dschihad, || Fundamentalist, || Halal und Haram, || Islamkritik, || radikale Muslime, || Boko Haram, || IS

Thema:

|| Schiiten

sind eine der Hauptgruppen unter den vielen Strömungen im Islam. Die Spaltung erfolgte historisch aufgrund der Auseinandersetzungen um die Frage der rechtmäßigen Führung der Gemeinschaft der ||Muslime nach dem Tod des Propheten Mohammed. Schiiten folgen nur dem vierten der Kalifen, Ali ibn Abi Talib. Dieser ist auch für die Aleviten der einzig rechtmäßige Nachfolger Mohammeds.

Weiterführende Begriffe: || Aleviten, || Sunniten

Thema:

|| Sunniten

stellen mit rund 85-90 Prozent weltweit die Mehrheit der Muslim*innen. Bei der Frage der rechtmäßigen Führung der Gemeinschaft der ||Muslime nach dem Tod des Propheten Mohammed erkennen Sunniten die vier Kalifen in der Nachfolge Mohammeds als rechtgeleitete Führer der Umma, der Gemeinde an. ||Salafismus ist eine antimodernistische Auslegung der Religion des sunnitischen Islams.

Weiterführende Begriffe: || Schiiten, || Salafismus

Thema:

|| Tschador

bedeutet auf Persisch »Zelt« und ist ein den ganzen Körper bedeckender Umhang. Er wird vor allem von Frauen im Iran getragen.

Weiterführende Begriffe: || Burka, || Hijab, || Kopftuch, || Kopftuchträgerin, || Niqab

Thema:

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