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Balkan

meint geografisch die Halbinsel Südosteuropas, zu der bspw. auch Griechenland gehört. Oft wird der Begriff in Zusammenhang mit Rom*nja gebracht, die in mehreren Ländern in Südosteuropa eine große ethnische Minderheit sind. Er ist dann negativ besetzt und wird recht ungenau als Synonym für Bulgarien und Rumänien benutzt. In der Berichterstattung wird der Begriff zudem häufig im Kontext mit Armutszuwander*innen und Asylmissbrauch verwendet.

Weiterführende Begriffe:

Bulgarien

Hier sind die Rom*nja (wie in Rumänien) nach Türk*innen die zweitgrößte Minderheit. Neben Rumänien, der Slowakei, Ungarn und der Tschechischen Republik gehört Bulgarien zu den fünf Ländern, die von der Europäischen Kommission 2013 länderspezifische Empfehlungen zur Umsetzung nationaler Roma-Integrationsstrategien erhielten. Sie sind Teil des von den EU-Staats- und Regierungschefs 2011 unterzeichneten EU-Rahmens (IP/11/789) zur Integration der Rom*nja in den Mitgliedsstaaten. Roma-Selbstorganisationen kritisieren, dass die Verteilung der Gelder nicht ausreichend kontrolliert werde.

Weiterführende Begriffe: Armuts- oder Wirtschaftsflüchtlinge, Balkan

Der Kölner Behrouz F.

bei der Nennung von Namen oder Alias-Namen in Berichten ist eine Verbindung mit dem Wohnort zu empfehlen. Auch eine Nennung des Wohnbezirks kann sinnvoll sein, weil sie oft mehr Aussagekraft hat als die Herkunft. Vor allem in ausführlichen Berichten ist es meist aufschlussreicher zu erfahren, ob Behrouz F. in einem Arbeiterkiez oder Nobelviertel wohnt. Formulierungen wie »der Iraner Behrouz F. aus Köln« oder »der iranischstämmige Behrouz F.« hingegen machen eher deutlich, dass Behrouz F. weder »echter« Kölner noch Deutscher ist oder sein kann.

Weiterführende Begriffe: Der Gesuchte spricht Deutsch mit türkischem Akzent, Osteuropäischer Herkunft, arabischstämmig, Der türkischstämmige (besser: türkeistämmige) Tatverdächtige

Der türkischstämmige Tatverdächtige

(siehe auch: türkischstämmig) Grundsätzlich sollte die Herkunft von Straftäter*innen oder Verdächtigen nur dann genannt werden, wenn ein Bezug zur Tat besteht und die Information zum Verständnis notwendig ist. Das wäre etwa der Fall, wenn z.B. ein kultureller oder religiöser Hintergrund bei der Entscheidung in einem Gerichtsverfahren berücksichtigt wird. Gibt es keinen sachlichen Bezug zum Tathergang, wird durch die explizite Nennung der ethnischen Herkunft von Straftäter*innen oder Verdächtigen in der Nachricht ein vermeintlich ursächlicher Zusammenhang hergestellt. Zum Vergleich: Es ist auch nicht üblich, von deutschstämmigen Täter*innen zu sprechen.

Osteuropäischer Herkunft, arabischstämmig

etc. sind meist mutmaßliche Beschreibungen und sollten mit Bedacht verwendet werden. Grundsätzlich sind in Fahndungshilfen nur Formulierungen zu empfehlen, die auf Tatsachen beruhen und wirklich hilfreich sind. Die Zuordnung eines Menschen zu großen Regionen, wie Arabien, Osteuropa, Asien etc. sind kaum nützlich für die Fahndung, dafür aber stark verallgemeinernd.

Weiß

Geht es um Zugehörigkeit, Teilhabe und Rassismus, ist immer öfter von Weißen die Rede. Häufig herrscht das Missverständnis, es ginge dabei um eine Hautfarbe. Tatsächlich meint weiß eine gesellschaftspolitische Norm und Machtposition und wird deshalb in wissenschaftlichen Text oft klein und kursiv geschrieben. Der Begriff wird als Gegensatz zu People of Color und Schwarzen Menschen verwendet. Dabei müssen sich z.B. weiße Deutsche nicht selbst als weiß oder privilegiert fühlen.

Wurzeln, mit griechischen etc.

wird oft verwendet, um die Herkunft von Menschen mit internationaler Geschichte zu beschreiben. Weil damit keine Verortung in Deutschland, sondern vielmehr eine Entwurzelung von Eingewanderten und ihren Nachkommen mitschwingt, wird die Beschreibung teilweise kritisch gesehen. Alternativ kann z.B. die (ehemalige) Nationalität der Eltern genannt werden, sofern es wirklich nötig ist.

Weiterführende Begriffe: Ausländer, Copyright-Deutsche, Einheimische, Heimat