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Armuts- oder Wirtschaftsflüchtlinge

sind abwertende Bezeichnungen, die aussagen sollen, dass Asylsuchende vor allem aus wirtschaftlicher Not fliehen und damit das Grundrecht auf Asyl ausnutzen würden. Besonders oft werden Menschen aus den Maghreb-Staaten sowie Rom*nja als vermeintliche Armutsflüchtlinge bezeichnet, die jedoch oft fliehen, weil sie starker Diskriminierung ausgesetzt sind. Wenn Menschen tatsächlich aus wirtschaftlichen Gründen einreisen, kann auch von Arbeitseinwanderung gesprochen werden (siehe auch Armutszuwander*in, Asylmissbrauch, Asylbetrüger*in).

Asylbetrüger

Während »Scheinasylant« und »Asylschmarotzer« heutzutage vor allem Begrifflichkeiten der rechtsextremen Szene sind, findet sich die Bezeichnung »Asylbetrüger« teilweise auch in Mainstream-Medien. So wurden bspw. Flüchtlinge bezeichnet, die sich angeblich als Syrer*innen ausgeben würden, um ihre Chance auf Asyl zu erhöhen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière behauptete im Oktober 2015, 30 Prozent aller Schutzsuchenden, die sich als Syrer*innen ausgeben würden, seien gar keine. Für diese Zahl fehlt allerdings jeglicher Beleg.

Weiterführende Begriffe: Armutsflüchtlinge, Asylmissbrauch

Bulgarien

Hier sind die Roma (wie in Rumänien) nach Türk*innen die zweitgrößte Minderheit. Neben Rumänien, der Slowakei, Ungarn und der Tschechischen Republik, gehört Bulgarien zu den fünf Ländern, die von der Europäischen Kommission 2013 länderspezifische Empfehlungen zur Umsetzung nationaler Roma-Integrationsstrategien erhielten. Sie sind Teil des von den EU-Staats- und Regierungschefs 2011 unterzeichneten EU-Rahmens (IP/11/789) zur Integration der Rom*nja in den Mitgliedsstaaten. Selbstorganisierte Rom*njaverbände kritisieren, dass die Verteilung der Gelder nicht ausreichend kontrolliert werde.

Roma

ist sowohl Selbstbeschreibung, als auch allgemeiner Sammelbegriff für eine heterogene Gruppe von Menschen, die im 13. und 14. Jh. von Indien und dem heutigen Pakistan nach Mittel-, West- und Nordeuropa gekommen sind1. Sie bilden die größte ethnische Minderheit in Europa. Expert*innen sprechen häufig von Roma-Gruppen oder Angehörigen der Roma-Minderheiten, da es zahlreiche verschiedene Untergruppen gibt, die sich in Sprachen, Religionen und Gewohnheiten voneinander unterscheiden, bspw. Kalderasch / Kalderaš / Kalderara, Kalé / Kale / Cale oder Lovara / Lowara. Im weiblichen Singular spricht man von Romni (Plural: Romnja), im männlichen von Rom (Plural: Roma).

Weiterführende Begriffe: Deutsche Sinti und Roma,Deutsche Roma

Sinti

ist die Bezeichnung für Nachfahren der Roma-Gruppen, die bereits im 14. und 15. Jh. in den deutschsprachigen Raum eingewandert sind. Sinti*ze sind die in West- und Mitteleuropa beheimateten Angehörigen der Minderheit. Die Bezeichnung wird jedoch nur in Deutschland, Österreich und Teilen Norditaliens verwendet. Außerhalb des deutschen Sprachraums wird Roma als Name für die gesamte Minderheit genutzt. Der weibliche Singular ist Sintiza (Plural: Sintize), der männliche Singular ist Sinto (Plural: Sinti). Eine Untergruppe der Sinti*ze sind die Manouche, die vorwiegend in Frankreich leben.