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»Asylantenschwemme«, »Asylantenflut« oder »Asylantenstrom«

sind Metaphern, die vor allem in den 1980er und 1990er Jahren verbreitet waren. Sie suggerieren, dass es notwendig sei, die Aufnahme von ||Geflüchteten zu verhindern – diese werden deshalb Naturkatastrophen gleichgesetzt. Ebenso wie die Formulierung »Das Boot ist voll« werden die oben genannten Begriffe als populistische Floskeln und emotional aufgeladene Angstmacherei kritisiert. Inzwischen werden oft die Varianten ||Flüchtlingsstrom oder »Flüchtlingswelle« gebraucht, die dieselben Assoziationen wecken.

Weiterführende Begriffe: ||Asylbewerber, ||Asylanten, ||Armutszuwanderer, ||Flüchtlinge, ||Flüchtlingsstrom

»Asylbetrüger«

Während »Scheinasylant« und »Asylschmarotzer« heutzutage vor allem Begrifflichkeiten der ||rechtsextremen Szene sind, findet sich die Bezeichnung »Asylbetrüger« teilweise auch in Mainstream-Medien. So wurden bspw. ||Flüchtlinge bezeichnet, die sich angeblich als Syrer*innen ausgeben würden, um ihre Chance auf Asyl zu erhöhen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière behauptete im Oktober 2015, 30 Prozent aller Schutzsuchenden, die sich als Syrer*innen ausgeben würden, seien gar keine. Für diese Zahl fehlt allerdings jeglicher Beleg.

Weiterführende Begriffe: ||Armutsflüchtlinge, ||Asylmissbrauch

»Flüchtlingskrise«

ist ein häufig benutztes Schlagwort in der Asyldebatte. Er sagt aus, dass es eine Krise wegen ||geflüchteter Menschen gebe. Dies kann kritisch hinterfragt werden: Gemessen an 60 Millionen Menschen, die 2015 weltweit auf der Flucht waren und der Zahl von 82 Millionen Einwohner*innen in Deutschland, erscheinen knapp eine Million Menschen, die nach Deutschland kamen, nicht sehr viel. Zudem weist der Begriff »Flüchtlingskrise« die Verantwortung den geflüchteten Menschen zu, anstatt die Ursachen für Probleme z.B. im Versagen deutscher Politik oder Strukturen zu suchen. Entsprechend könnte auch von einer Krise der Asylpolitik oder neutraler von Fluchtmigration oder Fluchtbewegung die Rede sein.

»Flüchtlingsstrom«, »Zustrom«, »Flüchtlingswelle«

sind Metaphern in der aktuellen Berichterstattung, mit denen die Einreise von ||Geflüchteten beschrieben wird. Sie vermitteln das Bild eines Naturphänomens, das sich seinen Weg nach Deutschland bahnt oder das Land überschwemmt. Dies suggeriert, dass die Politik machtlos einer Naturgewalt ausgesetzt ist und weist damit den Schutzsuchenden selbst die Verantwortung für asylpolitische oder strukturelle Probleme bei ihrer Aufnahme in Deutschland zu. Angemessener wäre es, zum Beispiel eine konkrete Zahl zu nennen, ggf. Vergleiche anzustellen, von Fluchtmigration oder Zuzug zu sprechen.

Weiterführender Begriff: ||Asylantenstrom