|| Armutszuwanderer

wird derzeit als (abfällige) Bezeichnung für Menschen aus Südosteuropa verwendet, teils auch als Synonym für ||Roma, die im Zuge der EU-Freizügigkeit nach Deutschland kommen. Die große Mehrheit der Menschen, die seit 2007 aus den neuen EU-Beitrittsländern eingewandert sind, geht jedoch einer Arbeit nach oder studiert. Es handelt sich daher überwiegend um eine – für Deutschland profitable – Arbeitszuwanderung bzw. Arbeitseinwanderung. Auch problematisch: Bei »Armutsmigration« schwingt die Sorge mit, Deutschland sei vor allem von einer Einwanderung in die Sozialsysteme betroffen.

Weiterführende Begriffe: || Armutsflüchtlinge, ||Asylmissbrauch, || Fremdarbeiter, || Roma, || Sinti, || Wirtschaftsflüchtling, || Zuwanderer

Thema:

|| Aussiedler/Spätaussiedler

sind deutsche »Volkszugehörige« und mit etwa 4,5 Millionen Menschen die größte Einwanderergruppe in der Bundesrepublik. Laut Definition des Innenministeriums handelt es sich bei ihnen um »Personen deutscher Herkunft, die in Ost- und Südosteuropa sowie in der Sowjetunion unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges gelitten haben (und die) noch Jahrzehnte nach Kriegsende aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit massiv verfolgt« wurden. In der Bundesrepublik können sie die »Statusdeutscheneigenschaft« bekommen, werden damit ||deutschen Staatsangehörigen gleichgestellt und sind keine ||Ausländer (siehe auch ||Vertriebene).

Weiterführende Begriffe: ||Migranten, ||Neubürger, ||Neue Deutsche, ||Zuwanderer

Thema:

|| Deutsche Staatsangehörigkeit

erwerben Menschen mit der Geburt entweder nach dem Abstammungsprinzip, wenn sie also als Kind deutscher Eltern geboren werden, oder seit 2000 auch nach dem Geburtsortprinzip. Das heißt auch Kinder, deren Eltern keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, erhalten seither in der Regel die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn sie in Deutschland geboren sind (siehe ||doppelte Staatsangehörigkeit, ||Optionspflicht). Unter bestimmten Voraussetzungen (u.a. achtjähriger Aufenthalt) kann man deutsche*r Staatsbürger*in werden durch ||Einbürgerung.

Thema:

|| Displaced Persons (DPs)

engl. für Vertriebene. Die UN bezeichnen Personen als displaced people, die wegen bewaffneter Auseinandersetzungen, Menschenrechtsverletzungen, natürlicher oder menschlich verursachter Katastrophen gezwungen wurden, ihren Heimatort zu verlassen, aber keine international anerkannte Staatsgrenze überschritten haben; im Sinne der UN sind DPs Binnenflüchtlinge. Als historischer Begriff in der deutschen Geschichte bezieht er sich vor allem auf ehemalige KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Weiterführende Begriffe: || Heimatlose Flüchtlinge, || Flüchtlinge, || Vertriebene

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|| Doppelte Staatsangehörigkeit

Das Fachwort dafür ist Mehrstaatigkeit und beschreibt den Besitz von zwei oder mehr Staatsangehörigkeiten. Dazu kommt es z.B., wenn ein Kind nach dem Abstammungsprinzip automatisch die unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten beider Elternteile erhält. Bei ||Einbürgerungen in Deutschland soll Mehrstaatigkeit vermieden werden, es gibt allerdings viele Ausnahmen: z.B. für EU-Bürger*innen, Schweizer*innen, US-Amerikaner*innen, Argentinier*innen etc. Seit 2000 erhalten auch in Deutschland geborene Kinder von ||Ausländern neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern die deutsche (siehe ||Optionspflicht). Um Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft zu benennen, ist es sinnvoll, ihren Lebensmittelpunkt zu betonen, also z.B. Turko-Deutsche, statt Deutsch-Türk*innen, Greco-Deutsche, statt Deutsch-Griech*innen, Hispanisch-Deutsche, Russlanddeutsche, Polnisch-Deutsche etc.

Thema:

|| Einbürgerung

ist der Prozess zur Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft. Unterschieden wird zwischen Anspruchseinbürgerung und Ermessenseinbürgerung. Anspruch auf eine Einbürgerung hat, wer die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllt (z.B. mindestens acht Jahre Aufenthalt, Lebensunterhaltssicherung ohne Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II). Sind nicht alle Voraussetzungen gegeben, kann eine Einbürgerungsbehörde trotzdem die deutsche Staatsbürgerschaft vergeben, wenn z.B. ein öffentliches Interesse an der ||Einbürgerung besteht (bspw. bei Profi-Sportler*innen) und einige Mindestanforderungen erfüllt sind.

Thema:

|| Einwanderungsgesellschaft

beschreibt Deutschland als Einwanderungsland. Die Menschen kommen, um dauerhaft hier zu leben. Sie werden und sind Teil der Bevölkerung. Im Gegensatz dazu betont die Bezeichnung »Zuwanderungsgesellschaft« die temporäre Dauer des Zuzugs. Die Absicht zu bleiben ist bei || Zuwanderern nicht unbedingt gegeben, siehe auch Kapitel 1:  Wer sind »wir«, wer sind die  »Anderen«?

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|| Gescheiterte Integration

wird häufig als Ursache für Jugendkriminalität und andere Probleme genannt. Dabei wird oft unterstellt, dass zum Beispiel Verstöße gegen Gesetze und Normen begangen werden, weil die deutsche Gesellschaftsordnung abgelehnt und stattdessen einer vermeintlich archaischen Einwandererkultur mit eigenen Regeln gefolgt wird. Meist sind jedoch andere Ursachen zu finden wie mangelnde Chancengleichheit, soziale Benachteiligung etc. Für einen hohen Anteil von Einwanderer*innen in manchen Stadtteilen etwa ist oft eher der Wohnungsmarkt ursächlich als ein Hang zu innerethnischen Nachbarschaften.

Thema:

|| Integration

ist ein Begriff, der oft im Zusammenhang mit ||Migranten fällt und als Bringschuld der Einwanderer*innen gemeint ist. Wissenschaftler*innen dagegen verwenden ihn, um gesellschaftliche Strukturen und Sachverhalte zu beschreiben, wie Teilhabe und Zugang zu Arbeit, Bildung oder Wohnen. In diesem Sinn ist bspw. von Integrationspolitik oder Integrationsprojekten die Rede. In der Berichterstattung ist oft von »gescheiterter« oder »gelungener Integration« die Rede; ebenso wie bei der Übertragung auf Personen (||Integrationsverweigerer) werden gesellschaftliche Probleme dadurch individualisiert und kulturalisiert. Alternativen: Teilhabe, Chancengleichheit.

Thema:

|| Mischehe

beruht als Begriff auf der Rassentheorie und wurde vor allem im Zuge der »Rassenhygiene« zur Zeit des Nationalsozialismus verwendet. Gute Alternativen sind binationale oder ggf. interreligiöse Ehe.

Weiterführender Begriff: ||Mischling

Thema:

|| Optionspflicht

Seit 2000 erhalten in Deutschland geborene Kinder von ||Ausländern neben der ausländischen Staatsangehörigkeit in der Regel auch die deutsche. Dabei wurde jedoch für die Kinder von ||Drittstaatsangehörigen die Optionspflicht eingeführt: Zwischen dem 18. und dem 23. Geburtstag mussten sie sich für eine der beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden. Mit der Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes von 2014 entfällt dieser Entscheidungszwang für diejenigen jungen Leute mit ||doppelter Staatsangehörigkeit, die mindestens acht Jahre in Deutschland gelebt haben oder sechs Jahre hier zur Schule gingen oder einen Schul- oder Berufsabschluss in Deutschland gemacht haben. Es bleibt also kompliziert.

Weiterführende Begriffe: || Deutsche, || Deutsche Staatsangehörigkeit, || Einbürgerung, || Passdeutsche

Thema:

|| Parallelgesellschaft

ist ein Schlagwort, das Anfang der 2000er Jahre im Zusammenhang mit der Integrationsdebatte um ||Muslime in Deutschland populär wurde. Der Begriff ist inhaltlich diffus und nicht konkret definiert. Er konstruiert ein Bild homogener Minderheiten, die sich räumlich, sozial und kulturell von der Mehrheitsbevölkerung abschotten. Ihnen wird »Integrationsunwilligkeit« unterstellt, ohne zu berücksichtigen, dass für ||Integration die gesamte Gesellschaft verantwortlich ist (siehe auch ||gescheiterte Integration). In einem Interview mit Spiegel Online  kritisierte der Historiker Klaus J. Bade: »Parallelgesellschaften im klassischen Sinne gibt es in Deutschland gar nicht. Dafür müssten mehrere Punkte zusammenkommen: eine monokulturelle Identität, ein freiwilliger und bewusster sozialer Rückzug auch in Siedlung und Lebensalltag, eine weitgehende  wirtschaftliche  Abgrenzung, eine Doppelung der Institutionen des Staates. Bei uns sind die Einwandererviertel meist ethnisch gemischt, der Rückzug ist sozial bedingt, eine Doppelung von Institutionen fehlt.«

Weiterführende Begriffe: || Ausländerkriminalität, || Clan, || Integrationsverweigerer, || Islamisierung, || Überfremdung

Thema:

|| Postmigrantisch

stammt aus der Kulturszene und wurde in Deutschland von der Kulturschaffenden Shermin Langhoff eingeführt. Postmigrantisch steht für den Prozess, die Gesellschaft nach erfolgter Einwanderung mitzugestalten. Wird Deutschland als ||Einwanderungsgesellschaft akzeptiert, werden Kategorien wie ||deutsch / nicht-deutsch bedeutungslos; in einer postmigrantischen Gesellschaft müssen sich ||Deutsche ohne Migrationshintergrund auch eingliedern. Es gilt die zuvor herrschenden (Miss-) Verhältnisse gemeinsam neu zu verhandeln. Hinweis: Postmigrantisch ist nur als Adjektiv zu verwenden.

Thema:

|| Überfremdung

ist ein politisches Schlagwort, das oft von ||Rechtsextremen, heute teils auch von etablierten Politiker´*innen verwendet wird. Es dient meist als Argument für die Ablehnung der multikulturellen Gesellschaft in Deutschland, z.B. in Debatten um den Bau von Moscheen. Dahinter steckt häufig eine – völkisch-nationalistische – Vorstellung, in der als nicht deutsch empfundene Menschen und ihre Kultur eine Gefahr für die »deutsche Identität«, das »Volk« oder die innere Sicherheit Deutschlands sind. Dass die Bundesrepublik bspw. wirtschaftlich von Einwanderung profitiert und sie sich auch aus demografischen Gründen positiv auswirkt, wird dabei ausgeblendet.

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|| Vertriebene

sind deutsche Staatsangehörige oder sog. deutsche »Volkszugehörige« (jur. Bezeichnung, Bundesvertriebenengesetz) und ihre Nachkommen, die ihren Wohnsitz im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg verloren haben. Auch ||Aussiedler gelten gesetzlich als Vertriebene. Vertriebene, Aussiedler*innen oder Spätaussiedler*innen haben einen rechtlichen Anspruch darauf, aus Ländern des ehemaligen Ostblocks in Deutschland aufgenommen zu werden. In der Bundesrepublik bekommen sie in der Regel automatisch die sog. Statusdeutscheneigenschaft und sind somit keine ||Ausländer.

Weiterführende Begriffe: || Asylsuchende, || Displaced Persons (DPs), || Geflüchtete, || Heimatlose Flüchtlinge

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|| Willkommenskultur

ist zur Standardvokabel in der Asyldebatte geworden. Gemeint ist meistens das Mitgefühl der vielen Ehrenamtlichen, die sich für ||Geflüchtete engagieren und damit eine Willkommenskultur schaffen. Vorher war Willkommenskultur eher ein politisches Leitbild für die multikulturelle Aufnahmegesellschaft im Kontext der Integrationsdebatte. Kritisiert wird der Begriff z.B. von Medienwissenschaftler Alexander Kissler, der darauf verweist, dass sich das Wort »Willkommen« nur auf den kurzen Vorgang des Kommens beziehe, also keinen sich verstetigenden Zustand bezeichnen könne.

Weiterführende Begriffe: || Aufnahmegesellschaft, || Einwanderungsgesellschaft

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|| Xenophilie

ist das Gegenteil von || Xenophobie und beschreibt eine Neigung für fremde Dinge oder Menschen. Beides setzt eine Kategorisierung in »fremd« und »nicht fremd« voraus.

Weiterführende Begriffe: || Philosemitismus || Philoziganismus

Thema:

|| Xenophobie

(griech. xeno, fremd) bezeichnet die ablehnende Haltung gegenüber einer Gruppe, die als fremd wahrgenommen wird, aber nicht automatisch fremd sein muss, wie zum Beispiel Schwarze Deutsche oder deutsche Muslime. Xenophobie ist eine Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

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