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Wer sind „wir“, wer sind „die Anderen“?

Afrodeutsche

ist eine häufige Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen in Deutschland. Um Missverständnissen vorzubeugen: Längst nicht alle, die sich so bezeichnen, haben familiäre Bezüge zu Afrika – sie können auch aus den USA, anderen europäischen Ländern und überall herstammen (siehe auch ||Schwarze Deutsche).

Weiterführende Begriffe: || Rasse, || Schwarze, || Weiße Deutsche

Allochthone

(griech.) wird in den Sozialwissenschaften als Bezeichnung von Menschen oder Gruppen mit gebietsfremder Herkunft verwendet. In den Niederlanden wird der Begriff zur Beschreibung von Menschen verwendet, die selbst oder deren Eltern eingewandert sind. Allochthone ist das Gegenteil von ||Autochthone.

Aufnahmegesellschaft

wird häufig als Synonym für ||Deutsche ohne Migrationshintergrund verwendet, wirkt dabei jedoch ausgrenzend, da Eingewanderte und ihre Nachkommen auch zu den Aufnehmenden gehören. Wenn er verwendet wird, wäre der klärende Zusatz multikulturelle Aufnahmegesellschaft sinnvoll, damit deutlich wird: Es sind die über 82 Millionen Einwohner*innen in Deutschland gemeint.

Ausländer

bezeichnet Einwohner*innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Als Synonym für ||Einwanderer ist er dagegen falsch, da die meisten ||Migranten und ihre Nachkommen keine Ausländer*innen mehr sind, sondern ||Deutsche. Grundsätzlich verortet »Ausländer« Menschen im Ausland und klingt nicht nach jemandem, der*die den Lebensmittelpunkt in Deutschland hat.

Ausländer mit deutschem Pass

taucht erstaunlicherweise immer wieder auf, ist sachlich falsch und als diskriminierender Widerspruch zu sehen. Vermutlich ist damit Deutsche*r mit Einwanderungsgeschichte oder Migrationshintergrund gemeint.

Ausländischer Mitbürger

wird seit den 1970er Jahren als meistens wohlmeinende, jedoch widersprüchliche Bezeichnung für Menschen verwendet, die seit vielen Jahren hier leben und voraussichtlich bleiben werden. Soll die nicht-deutsche Staatsbürgerschaft betont werden, ist ausländische*r Bürger*in passender, da bei »MitBürger*in« ein unnötiges »Othering« stattfindet,  d.h.  ein*e Mitbürger*in ist  damit  scheinbar  anders als  ein*e Bürger*in.

Autochthone Deutsche

autochthon kommt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß eingeboren, alteingesessen. Autochthone Deutsche könnte dazu dienen, ||Deutsche ohne Migrationshintergrund zu beschreiben, hat allerdings als kaum bekanntes Fremdwort wenig Aussicht, sich durchzusetzen.