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Parallelgesellschaft

ist ein Schlagwort, das Anfang der 2000er Jahre im Zusammenhang mit der Integrationsdebatte um ||Muslime in Deutschland populär wurde. Der Begriff ist inhaltlich diffus und nicht konkret definiert. Er konstruiert ein Bild homogener Minderheiten, die sich räumlich, sozial und kulturell von der Mehrheitsbevölkerung abschotten. Ihnen wird »Integrationsunwilligkeit« unterstellt, ohne zu berücksichtigen, dass für ||Integration die gesamte Gesellschaft verantwortlich ist (siehe auch ||gescheiterte Integration). In einem Interview mit Spiegel Online  kritisierte der Historiker Klaus J. Bade: »Parallelgesellschaften im klassischen Sinne gibt es in Deutschland gar nicht. Dafür müssten mehrere Punkte zusammenkommen: eine monokulturelle Identität, ein freiwilliger und bewusster sozialer Rückzug auch in Siedlung und Lebensalltag, eine weitgehende  wirtschaftliche  Abgrenzung, eine Doppelung der Institutionen des Staates. Bei uns sind die Einwandererviertel meist ethnisch gemischt, der Rückzug ist sozial bedingt, eine Doppelung von Institutionen fehlt.«

Weiterführende Begriffe: || Ausländerkriminalität, || Clan, || Integrationsverweigerer, || Islamisierung, || Überfremdung

Passdeutsche

wird teils nicht in abwertender Absicht verwendet, aber man sollte wissen, dass der Begriff aus dem Vokabular von ||Rechtsextremen stammt und zum Beispiel in Texten der NPD verwendet wird: Dort gibt es ||Deutsche und »Passdeutsche« (also Möchtegerndeutsche, nicht richtige Deutsche). Letztere sollen damit als »undeutsch« abgewertet werden.

Weiterführende Begriffe: || Einbürgerung, || Neubürger, || Neonazi

Philosemitismus

bezeichnet die positive Neigung zu ||Juden und jüdischer Kultur, die teils wie bei ||Antisemitismus von einem homogenen Kollektiv ausgeht, dem bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. Ein Motiv können zum Beispiel Schuldgefühle auf Grund der Ereignisse in der NS-Zeit sein. Der Begriff wurde erstmals im 19. Jhd. verwendet, um projüdische Linksliberale abzuwerten.

Weiterführender Begriff: ||Xenophilie

Philoziganismus

beschreibt eine positive Neigung zu ||Sinti und ||Roma, die teils wie bei ||Antiziganismus von einer homogenen Gruppe ausgeht und den Angehörigen der Roma-Minderheiten romantisierende Stereotype zuschreibt.

Weiterführende Begriffe: || Xenophilie,|| Philosemitismus,|| Gypsy,|| Zigeuner

Pogrom

(russ.: Verwüstung) benennt gewaltsame Ausschreitungen gegen religiöse, politische, ethnische Gruppen oder andere Minderheiten. Geprägt wurde der Begriff vor allem durch die Novemberpogrome 1938, als die Nazis die organisierte Zerstörung von jüdischen Geschäften, Häusern, Synagogen und die Verfolgung von ||Juden anordneten. Während die vom NS-Regime gelenkten Medien von der »Judenaktion« oder »Novemberaktion« schrieben, bezeichnete der Volksmund die Novemberpogrome, die den Beginn der staatlich organisierten Judenverfolgung markierten, schnell als »Reichskristallnacht« – eine verharmlosende Anspielung auf die unzähligen Glasscherben zerstörter jüdischer Geschäfte und Synagogen, die nach den Pogromen auf den Straßen lagen.

Pop-Dschihadismus

bezeichnet eine radikale Jugendsubkultur des ||Dschihadismus in Einwanderungsländern wie Deutschland. Charakteristisch sind moderne Elemente der Popkultur, die für eine eher weltliche und politische Propaganda genutzt werden, im Unterschied zu den stärker theologisch fundierten Argumentationsmustern etwa im politischen ||Salafismus. Instrumente dieser Propaganda sind neue Medien, Filmclips im Stil von Musikvideos oder T-Shirts mit entsprechenden Insignien. Meist männliche Vorbilder vermitteln orientierungslosen Jugendlichen einen neuen Lebenssinn, in dem Gruppenzugehörigkeit, ähnlich wie bei ||Neonazi-Kameradschaften, wichtig ist. Religiöse Inhalte dienen im Pop-Dschihadismus nur als Begründungsmuster, vor allem haben das Paradies-Versprechen und ein vermeintlich sündenloses Leben große Bedeutung. Anhänger*innen des Pop-Dschihadismus sind Jugendliche aller Schichten und Nationalitäten. Sie werden teils schnell militant und zu Kämpfern des ||IS.

Weiterführende Begriffe: || Pop-Muslime, || radikale Muslime

Pop-Muslime

bezeichnet meist junge Muslim*innen, die konservative Religiosität mit modernem Lebensstil zusammenbringen und ihre Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft betonen. Der Begriff geht zurück auf das Buch »Zwischen Pop und Dschihad« von Julia Gerlach (2006). Mitunter werden Pop-Muslime als Akteur*innen einer jungen Protestkultur gesehen, deren Religiosität zwar zentral ist, aber vor allem als Mittel zur Provokation und Abgrenzung gilt. Daher wird Pop-Muslimen teils eine Nähe zur militant-islamistischen Szene nachgesagt. Der Begriff sollte entsprechend vorsichtig verwendet werden.

Weiterführende Begriffe: || Euro-Muslime, ||Kulturmuslime, ||Neo-Muslime, ||Pop-Dschihadismus, || Säkulare Muslime

Postmigrantisch

stammt aus der Kulturszene und wurde in Deutschland von der Kulturschaffenden Shermin Langhoff eingeführt. Postmigrantisch steht für den Prozess, die Gesellschaft nach erfolgter Einwanderung mitzugestalten. Wird Deutschland als ||Einwanderungsgesellschaft akzeptiert, werden Kategorien wie ||deutsch / nicht-deutsch bedeutungslos; in einer postmigrantischen Gesellschaft müssen sich ||Deutsche ohne Migrationshintergrund auch eingliedern. Es gilt die zuvor herrschenden (Miss-) Verhältnisse gemeinsam neu zu verhandeln. Hinweis: Postmigrantisch ist nur als Adjektiv zu verwenden.

Prinzip der Nicht-Zurückweisung

bezeichnet nach internationalem Recht das Prinzip, nach dem ein ||Geflüchteter nicht in einen unsicheren Staat ausgewiesen werden darf.