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Kabbala

ist eine mystische Tradition im Judentum, bei der spirituelle Erlebnisse im Mittelpunkt stehen. Verschiedene kabbalistische Schulen sind weltweit seit dem 13. Jahrhundert entstanden. Heute werden kabbalistische Konzepte vor allem in ||chassidischen Gemeinden in den USA und Israel, aber auch in nicht-jüdischen Kreisen fortgeführt. So wurde in den 1970ern das Kabbalah Center in den USA gegründet, das durch Prominente wie Madonna bekannt wurde.

Kanaken

(polynesisch »Kanaka« = Mensch) ist ein Schimpfwort, wird jedoch manchmal (mit sarkastischem Unterton) als Selbstzuschreibung verwendet. Wenn Protagonist*innen sie für sich selbst verwenden, kann die Selbstbezeichnung in Medienberichten übernommen werden, sollte aber als solche erkennbar sein.

Kaschrut

beschreibt die jüdischen Speisegesetze. In ihnen ist festgelegt, welche Lebensmittel erlaubt (||koscher) Lebensmittel und welche verboten (»treif«/ »trefe«/ »treife«) sind.

Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache

(»ndH«) ist ein abstrakter Fachbegriff, der vor allem im Bildungsbereich für Schüler*innen verwendet wird. Er ist der Versuch, bestimmte Förderbedürfnisse zu benennen, ohne Kinder einer Herkunftsgruppe zuzuordnen. Leider verbirgt sich dahinter ein defizitorientierter Blick: In der Schuleingangsuntersuchung wird allein der Frage nachgegangen, ob das Kind als erste Sprache Deutsch gelernt hat. Genauso geeignet und weniger abstrakt: Mehrsprachige Kinder oder Kinder mit internationaler Geschichte.

Kippa/Kippah

bezeichnet die Kopfbedeckung, die insbesondere während des Gebets und Studiums der Heiligen Schriften von männlichen ||Juden getragen wird, in ||liberalen Gemeinden manchmal auch von Frauen. Manche tragen die Kippa auch im Alltag als öffentliches Bekenntnis zum Judentum oder aus Demut und Ehrfurcht vor Gott.

Königsteiner Schlüssel

ist ein Verteilungsschlüssel, der die Aufteilung von ||Flüchtlingen in die Bundesländer regelt. Mit ihm wird jährlich neu festgelegt, wie viele Schutzsuchende ein Bundesland aufnimmt. Die Verteilung richtet sich nach den Steuereinnahmen (2/3 Anteil bei der Bewertung) und der Bevölkerungszahl (1/3 Anteil bei der Bewertung).

Konservatives Judentum

ist eine in den USA entstandene Bewegung, deren Ursprünge allerdings in Deutschland liegen. In den Vereinigten Staaten bildet das konservative Judentum neben dem liberalen Judentum heute die größte Gruppe. Konservative Jüdinnen und Juden legen mehr Wert auf Traditionen als ||liberale, sie passen die Religionsgesetze jedoch auch zeitgemäß an. Ähnlich wie im ||orthodoxen Judentum werden Gesetze wie bspw. die Speisevorschriften eingehalten, sie werden aber weniger streng ausgelegt. Zudem können Frauen im religiösen Ritus des konservativen Judentums – je nach Gemeinde – mehr Rechte haben als in der Orthodoxie. Die Begriffe »konservativ«, »liberal« oder »orthodox« dürfen also keineswegs mit politischen Richtungsbezeichnungen verwechselt werden.

Kontingentflüchtlinge

sind ||Geflüchtete aus Krisenregionen, die im Rahmen nationaler oder internationaler Hilfsaktionen staatlich aufgenommen werden. Kontingentflüchtlinge durchlaufen nicht das Asylverfahren und erhalten vorübergehend Schutz in Deutschland. Als Kontingentflüchtlinge wurden zum Beispiel auch ||jüdische Emigrant*innen aus der ehemaligen UdSSR bezeichnet. Oft wird heutzutage von ||Flüchtlingen gesprochen, die in festgelegter Anzahl aus humanitären Gründen aufgenommen werden (derzeit gilt das für Menschen aus Syrien).

Kopftuch

kann im Gegensatz zum eher eng anliegenden ||Hijab auch ein locker um den Kopf geschlungenes Tuch sein. Je nach Auslegung des Korans, politischer Lage und persönlicher Einstellung, ist es Musliminnen freigestellt, sich zu verhüllen, oder es gibt eine Pflicht, die Haare zu verdecken. Laut einer Umfrage unter Musliminnen in Deutschland trägt von den stark Gläubigen unter ihnen jede Zweite nie ein Kopftuch1. In Ländern wie Iran, Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sind Frauen gesetztlich verpflichtet, sich zu bedecken, wenn sie von nicht verwandten Männern gesehen werden könnten.

Weiterführende Begriffe: ||Burka, ||Kopftuchträgerin, ||Niqab, ||Säkulare Muslime, ||Tschador

Kopftuchträgerin

wird oft synonym für praktizierende Musliminnen verwendet. Grundsätzlich ist die Reduzierung einer Person auf ein äußeres Merkmal problematisch, vor allem bei den mitunter abfällig gemeinten Begriffen »Kopftuchfrau« oder »Kopftuchmädchen«. Diese Zuschreibungen sagen wenig über die vielfältigen Gründe, Weltanschauungen, Auslegungen und Glaubenspraktiken von Musliminnen aus.

Weiterführende Begriffe: ||Burka, ||Hijab/Hidschab, ||Kopftuch, ||Niqab, ||Säkulare Muslime, ||Tschador

Koran/Qur’an

(arab. Lesung, Rezitation) ist die heilige Schrift des Islams. Er ist in Reimprosa abgefasst und enthält gemäß dem Glauben von ||Muslimen die wörtliche Offenbarung Gottes, die an den Propheten Mohammed, durch den Engel Gabriel herabgesandt wurde. Der Koran ist die wichtigste Quelle für islamische Theologie und islamisches Recht, sowie Ethik und Glaubenspraxis. Dennoch umfasst er nicht alle Belange und Fragestellungen von Muslim*innen. Eine weitere bedeutende Quelle ist die Sunna (überlieferte Norm) des Propheten, in der mündlich überlieferte Aussprüche und Taten Mohammeds in den ||Hadith/pl. Ahadith festgehalten wurden.

Koscher

(hebr. rein, geeignet) ist alles, das religiösen jüdischen Gesetzen entsprechend hergestellt oder zubereitet wurde. Welche Speisen koscher sind bzw. trefe, also nicht koscher, wird durch die ||Kaschrut-Vorschriften bestimmt. Teilweise gelten die Regeln auch für Materialien wie Stoffe oder Geschirr.

Kulturbereicherer

ist zynisch gemeint und stammt aus der ||rechtsextremen Szene. Der Begriff bezeichnet ||Menschen aus Einwandererfamilien. Er soll die radikale Ablehnung einer Bereicherung Deutschlands durch ||Menschen mit internationaler Geschichte ausdrücken.

Weiterführende Begriffe: ||Überfremdung, ||Xenophobie

Kulturkreis

stammt aus der Völkerkunde (19. Jh.) und war eine rassistische Vorstellung homogener Ethnien, die in sich abgeschlossen in bestimmten Regionen leben (siehe auch ||Ethnopluralismus). Diese Lehre ist längst wiederlegt. In einer globalisierten Welt kann von geschlossenen Kulturkreisen nicht ausgegangen werden. Anstatt bspw. von einem unbestimmten islamischen Kulturkreis zu sprechen, bietet es sich an präziser zu formulieren und stattdessen z. B. Muslime arabischer Länder zu benennen.1

Weiterführende Begriffe: ||Heimat

Kulturmuslime

beschreibt Muslim*innen, die den Islam zwar nicht praktizieren, sich aber einer islamischen Kultur zugehörig fühlen. Der Begriff taucht in der Berichterstattung meist als Selbstbezeichnung auf.