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Ehrenmord

definieren Expert*innen für das Bundeskriminalamt so: »Tötungsdelikte, die im Kontext patriarchalisch geprägter Familienverbände oder Gesellschaften vorrangig von Männern an Frauen verübt werden, um die aus Tätersicht verletzte Ehre der Familie oder des Mannes wiederherzustellen«1. Teils wird die Bezeichnung jedoch allgemein verwendet, zum Beispiel wenn ein türkeistämmiger Mann seine Frau umbringt. In vielen Fällen würde die gleiche Tat, begangen in einem ||standarddeutschen Umfeld Familientragödie, Beziehungstat, Mord aus Eifersucht genannt.

Einbürgerung

ist der Prozess zur Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft. Unterschieden wird zwischen Anspruchseinbürgerung und Ermessenseinbürgerung. Anspruch auf eine Einbürgerung hat, wer die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllt (z.B. mindestens acht Jahre Aufenthalt, Lebensunterhaltssicherung ohne Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II). Sind nicht alle Voraussetzungen gegeben, kann eine Einbürgerungsbehörde trotzdem die deutsche Staatsbürgerschaft vergeben, wenn z.B. ein öffentliches Interesse an der ||Einbürgerung besteht (bspw. bei Profi-Sportler*innen) und einige Mindestanforderungen erfüllt sind.

Einheimische

erzeugt ein schiefes Bild, weil viele Eingewanderte und ihre Kinder hier längst heimisch sind. Es weckt die Assoziation von fremdländischen ||Migranten. In einem lockeren Kontext könnte es mit dem Gegensatz verwendet werden: Einheimische und Mehrheimische.

Einwanderer

sind Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, um dauerhaft zu bleiben. Derzeit ist jedoch in diesem Kontext oft fälschlich die Rede von ||Zuwanderern, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und ähnlichem.

Einwanderer und ihre Nachkommen

ist zwar ebenso lang wie ||Menschen mit Migrationshintergrund, aber ein gutes Synonym, weil weniger abstrakt.

Einwanderungsgesellschaft

beschreibt Deutschland als Einwanderungsland. Die Menschen kommen, um dauerhaft hier zu leben. Sie werden und sind Teil der Bevölkerung. Im Gegensatz dazu betont die Bezeichnung »Zuwanderungsgesellschaft« die temporäre Dauer des Zuzugs. Die Absicht zu bleiben ist bei ||Zuwanderern nicht unbedingt gegeben, siehe auch Kapitel 1:  Wer sind »wir«, wer sind die  »Anderen«?

Ethnopluralismus

ist ein rassistische Theorie der ||Neuen Rechten, die davon ausgeht, es gäbe unveränderte kulturelle Identitäten verschiedener Völker und ||Kulturkreise, die vor Fremden zu schützen seien, um eine »Reinhaltung« der Kulturen zu erreichen. Dass ein solches Apartheids-System in einer globalisierten Welt nicht möglich ist und eine Weiterentwicklung aller Kulturen der Welt vor allem durch Austausch befördert wurde, ist scheinbar irrelevant.

Weiterführende Begriffe: ||Heimat, ||Rassismus, ||Überfremdung, ||Volk

Euro-Muslime

geht auf den Begriff des Euro-Islam zurück, den der Islamwissenschaftler Bassam Tibi 1991 in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht hat. Der Begriff beschreibt eine bestimmte säkularisierte Form des Islam, die sich dadurch herausbilden soll, dass in Europa lebende Muslim*innen Pflichten und Prinzipien des Islam mit Werten der modernen europäischen Kultur kombinieren. Mittlerweile gibt es aber auch konservativere Auslegungen eines Euro-Islam, weshalb der Begriff wissenschaftlich umstritten ist. In der Berichterstattung kommt Euro-Muslim vor allem als Selbstbezeichnung vor.

Weiterführende Begriffe: || Kulturmuslime, || Muslime, || Neo-Muslime, || Pop-Muslime, || Säkulare Muslime

Exilierte

kann als alternative Bezeichnung für ||Flüchtlinge oder Schutzsuchende benutzt werden. Der Begriff Exilierte betont, dass geflohene Menschen sich dazu gezwungen sehen, ihre Heimat aufgrund von lebensbedrohlichen oder menschenunwürdigen Verhältnissen zu verlassen, auch wenn sie nicht von staatlicher Seite des Landes verwiesen werden.

Extremismus

bezeichnet laut Polizei und Verfassungsschutz extreme politische Haltungen, mit dem Ziel sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung durchzusetzen. Extremisten handeln verfassungsfeindlich, oft auch gewaltsam. Der Begriff ist umstritten, weil er undifferenziert ist und voraussetzt, dass es nur einen extremen linken und rechten Rand gibt. ||Ideologien der Ungleichwertigkeit und die Ablehnung der Demokratie finden sich jedoch auch in der Mitte der Gesellschaft. In der Berichterstattung kann man anstatt von extremistischen von extremen Motiven sprechen oder sie konkret benennen. Umgangssprachlich wird Extremismus oft irrtümlich mit ||Radikalismus gleichgesetzt. Siehe auch ||Rechtsextremismus.

Weiterführende Begriffe: ||Hasskriminalität, ||Neonazi, ||Rechtspopulist, ||Dschihadismus.