|| Davidstern

ist ein sechszackiger Stern aus zwei übereinandergelegten, gleichseitigen Dreiecken und benannt nach dem jüdischen König David, der etwa 1.000 ||v.d.Z. lebte. Ungefähr seit dem 18. Jahrhundert ist der Davidstern ein Symbol für das Judentum und schmückt seit 1948 auch die Flagge des Staates Israel, nachdem er vorher von den Nationalsozialist*innen als gelber »Judenstern« missbraucht wurde, um Jüdinnen und Juden zu kennzeichnen.

Thema:

|| De-facto-Flüchtlinge

haben entweder keinen Antrag auf ||Asyl gestellt oder ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Die Bezeichnung De-facto-Flüchtling ist kein Rechtsbegriff, taucht aber hin und wieder auf, meistens für Personen, denen aus humanitären Gründen die Rückkehr in ihr Heimatland nicht zumutbar ist (z.B. wegen drohender Todesstrafe oder Folter im Heimatstaat).

Weiterführende Begriffe: || Bleiberecht, || Duldung, || Geflüchtete, || Illegale Migranten

Thema:

|| Der Gesuchte spricht Deutsch mit türkischem Akzent

ist in fast allen Fällen eine vage Vermutung. Es ist schwer unterscheidbar, ob ein Mensch einen türkischen, kurdischen, persischen, berberischen oder anderen Akzent hat. Entsprechend kann in Meldungen zur Fahndungshilfe wahrheitsgemäß formuliert werden spricht Deutsch mit Akzent oder sprach Deutsch mit einem Akzent, der vom Zeugen als türkisch eingeschätzt wurde.

Thema:

|| Der Kölner Behrouz F.

bei der Nennung von Namen oder Alias-Namen in Berichten, ist eine Verbindung mit dem Wohnort zu empfehlen. Auch eine Nennung des Wohnbezirks kann sinnvoll sein, weil sie häufig mehr Aussagekraft hat als die Herkunft; es ist oft aufschlussreicher zu erfahren, ob Behourz F. in einem Arbeiterkiez oder Nobelviertel wohnt. Formulierungen wie »der Iraner Behrouz F. aus Köln« oder der iranischstämmige Behrouz F. hingegen machen deutlich, dass Behrouz F. weder echter Kölner noch Deutscher ist oder sein kann.

Thema:

|| Der türkischstämmige Tatverdächtige (besser: türkeistämmige)

Grundsätzlich sollte die Herkunft von Straftäter*innen oder Verdächtigen nur dann genannt werden, wenn ein Bezug zur Tat besteht und die Information zum Verständnis notwendig ist. Gleiches gilt für »der Türke« oder »der aus der Türkei stammende«, etc. Gibt es keinen sachlichen Bezug zum Tathergang, wird durch die explizite Nennung der ethnischen Herkunft von Straftäter*innen oder Verdächtigen in der Nachricht ein vermeintlicher Zusammenhang hergestellt. Zum Vergleich: Es ist auch nicht üblich, von deutschstämmigen Täter*innen zu sprechen.

Thema:

|| Deutsch-Türken usw.

ist eine Möglichkeit die Internationalität von Menschen zu beschreiben. Dabei ist es allerdingssinnvoll, ihren Lebensmittelpunkt zu betonen, also Turko-Deutsche statt Deutsch-Türken, Greco-Deutsche statt Deutsch-Griechen, Spanisch-Deutsche, Polnisch-Deutsche usw. Denn: Bei Wortzusammensetzungen im Deutschen steht die Hauptbedeutung immer am Ende (z.B. Hausschuh). Übrigens empfinden sich auch ||Einwanderer ohne deutschen Pass oft als Teil der deutschen Gesellschaft, also z.B. als Turko- Deutsche.

Weiterführende Begriffe: || Gastarbeiter, || Kanaken, || Migranten, || Muslime, || Südländer, || Türkischstämmige (Bürger)

Thema:

|| Deutsche

steht für ||deutsche Staatsangehörige (siehe Kap. 3 Migration).  Als  Adjektiv oder Substantiv sollte der Begriff nicht dazu dienen, eine ethnische Zugehörigkeit und damit nur die ||herkunftsdeutsche Bevölkerung zu beschreiben. Denn: Jede*r fünfte Deutsche stammt aus einer Einwandererfamilie. Darüber hinaus erhalten in Deutschland geborene Kinder von ||Ausländern seit dem Jahr 2000 in der Regel automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Thema:

|| Deutsche ohne Migrationshintergrund

ist zwar sperrig, aber zur Unterscheidung durchaus geeignet, zumal er denselben Zusatz verwendet, der zur Definition von ||Menschen mit Migrationshintergrund dient.

Thema:

|| Deutsche Roma

sind  diejenigen ||Roma, die nach Aufhebung der Leibeigenschaft in Ost- und Südosteuropa ab Mitte des 19. Jahrhunderts nach Deutschland eingewandert sind. Weitere Roma-Gruppen sind in den 1960er Jahren als ||Gastarbeiter und in den 1990er Jahren nach dem Zerfall Jugoslawiens als ||Flüchtlinge nach Deutschland gekommen.

Thema:

|| Deutsche Sinti und Roma

sind eine ||nationale Minderheit. Sprachforscher verorten die ursprüngliche Herkunft der Sinti und Roma in Indien und dem heutigen Pakistan. Derzeit leben zwischen 70.000 und 150.000 ||Sinti und ||Roma in Deutschland. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, da seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland generell keine bevölkerungsstatistischen und sozioökonomischen Daten auf ethnischer Basis erhoben werden. Neben Deutsch sprechen sie als zweite Muttersprache häufig die Minderheitensprache ||Romanes. Oft werden in der aktuellen Diskussion ||Einwanderer aus ||Rumänien, ||Bulgarien oder Serbien irrtümlicherweise als »Sinti und Roma« bezeichnet. Auf sie würde gegebenenfalls nur die Bezeichnung Rom*nja zutreffen. Bei ||Zuwanderern wird jedoch nur die Staatsangehörigkeit erfasst – es ist also nicht bekannt, welche Eingewanderten Angehörige der Minderheit sind.

Thema:

|| Deutsche Staatsangehörigkeit

erwerben Menschen mit der Geburt entweder nach dem Abstammungsprinzip, wenn sie also als Kind deutscher Eltern geboren werden, oder seit 2000 auch nach dem Geburtsortprinzip. Das heißt auch Kinder, deren Eltern keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, erhalten seither in der Regel die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn sie in Deutschland geboren sind (siehe ||doppelte Staatsangehörigkeit, ||Optionspflicht). Unter bestimmten Voraussetzungen (u.a. achtjähriger Aufenthalt) kann man deutsche*r Staatsbürger*in werden durch ||Einbürgerung.

Thema:

|| Displaced Persons (DPs)

engl. für Vertriebene. Die UN bezeichnen Personen als displaced people, die wegen bewaffneter Auseinandersetzungen, Menschenrechtsverletzungen, natürlicher oder menschlich verursachter Katastrophen gezwungen wurden, ihren Heimatort zu verlassen, aber keine international anerkannte Staatsgrenze überschritten haben; im Sinne der UN sind DPs Binnenflüchtlinge. Als historischer Begriff in der deutschen Geschichte bezieht er sich vor allem auf ehemalige KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Weiterführende Begriffe: || Heimatlose Flüchtlinge, || Flüchtlinge, || Vertriebene

Thema:

|| Diverskulturelle

abgekürzt Dikulturelle, ist eine Alternative zur Bezeichnung von ||Menschen aus Einwandererfamilien. Sie wurde von Heidelberger Bürgern mit und ohne Einwanderungsbiografie in Zusammenarbeit mit den NdM in einem Workshop beim Diversity-Day 2014 entwickelt.

Thema:

|| Doppelte Staatsangehörigkeit

Das Fachwort dafür ist Mehrstaatigkeit und beschreibt den Besitz von zwei oder mehr Staatsangehörigkeiten. Dazu kommt es z.B., wenn ein Kind nach dem Abstammungsprinzip automatisch die unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten beider Elternteile erhält. Bei ||Einbürgerungen in Deutschland soll Mehrstaatigkeit vermieden werden, es gibt allerdings viele Ausnahmen: z.B. für EU-Bürger*innen, Schweizer*innen, US-Amerikaner*innen, Argentinier*innen etc. Seit 2000 erhalten auch in Deutschland geborene Kinder von ||Ausländern neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern die deutsche (siehe ||Optionspflicht). Um Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft zu benennen, ist es sinnvoll, ihren Lebensmittelpunkt zu betonen, also z.B. Turko-Deutsche, statt Deutsch-Türk*innen, Greco-Deutsche, statt Deutsch-Griech*innen, Hispanisch-Deutsche, Russlanddeutsche, Polnisch-Deutsche etc.

Thema:

|| Drittstaatsangehörige

wird in der Fachsprache verwendet, um Menschen zu beschreiben, die keine Staatsangehörigkeit eines EU-Landes haben. Solange es rechtliche Unterscheidungen für diese Gruppen gibt, ist der Begriff unvermeidbar. Beispiel: ||Deutsche haben allgemeines Wahlrecht, EU- Bürger*innen können in Deutschland bei Kommunalwahlen abstimmen, Drittstaatsangehörige dürfen in beiden Fällen nicht mitwählen.

Weiterführende Begriffe: || Einwanderer, || Menschen mit internationaler Geschichte, || Migranten, || Zuwanderer

Thema:

|| Dschihad

wird meist mit »Heiliger Krieg« assoziiert, bedeutet zunächst Anstrengung, Mühe und kann sich auch auf einen inneren Auftrag beziehen, z.B. beim Kampf gegen »das Böse« im Herzen (großer Dschihad). Der kleine oder äußere Dschihad hingegen besteht in jeder Form der zulässigen Verteidigung von ||Muslimen .

Thema:

|| Dschihadismus, Dschihadist

wird in der Regel im Zusammenhang mit militanten, gewaltbereiten ||Islamisten verwendet, deren Ideologie zufolge der ||Dschihad den bewaffneten Kampf meint, der jedem Muslim vorgeschrieben sei, solange muslimische Gebiete unter Besetzung sind oder »Ungläubige« gegen Muslime kämpfen.

Weiterführende Begriffe: || Dschihad, || Pop-Dschihadismus, || Radikaler Islam

Thema:

|| Dublin-Verfahren

Im Dublin-Verfahren wird der für die Prüfung eines Asylantrags zuständige europäische Staat festgestellt. Grundlage dafür ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen den EU-Mitgliedsstaaten, Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz,(Dublin-Staaten). Die wichtigste Regel des Dublin-Verfahrens besagt, dass ein Schutzsuchender in dem europäischen Staat Asyl beantragen muss, in den er nachweislich zuerst eingereist ist. Nur ||unbegleitete Minderjährige haben das Recht, zu ihrer Familie zu gehen oder dort aufgenommen zu werden, wo sie sich aufhalten. Kritik an diesem Verfahren gibt es, weil dadurch vor allem die ärmeren süd- und osteuropäischen Staaten für die Asylverfahren verantwortlich gemacht werden. In Griechenland wird das Dublin-Verfahren derzeit nicht angewendet, weil dort menschenunwürdige Zustände für ||Geflüchtete herrschen.

Weiterführender Begriff: ||Sichere Drittstaaten

Thema:

|| Duldung

betrifft Menschen ohne einen Aufenthaltstitel, von deren ||Abschiebung jedoch vorübergehend abgesehen wird, weil ihnen eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben droht oder eine Abschiebung nicht möglich ist (zum Beispiel, weil in dem Herkunftsland Krieg herrscht oder sie keine Papiere haben). Durch die Duldung wird der Aufenthalt zwar nicht rechtmäßig, aber es entfällt die Strafbarkeit wegen »illegalen Aufenthalts«.

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